14.09.2020 Arzt-Kolumne

Die HPV-Impfung ist auch für Jungen sinnvoll

Von Thomas Fischbach
Dr. Thomas Fischbach ist niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte.
Dr. Thomas Fischbach ist niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Fotoquelle: Fischbach/privat

Seit 2006 können sich Mädchen mit einer HPV-Impfung vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Die meisten Eltern schauen mich verblüfft an, wenn ich ihren Söhnen diese Impfung ebenfalls ans Herz lege. Erst vergangene Woche entgegnete mir die Mutter eines Zwölfjährigen erstaunt: "Jungs haben doch gar keine Gebärmutter und keinen Gebärmutterhals!" Das ist richtig. Aber inzwischen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut diese Maßnahme auch für Jungen.

Denn es gibt gute Gründe dafür, auch sie gegen die Viren zu impfen: Die humanen Papillomviren, vor denen die Impfung schützt, können nicht nur Tumore an der Gebärmutter, sondern auch in Mund, Hals und Rachen oder auch am Darmausgang verursachen. US-Forscher haben in jüngster Zeit mehr virusbedingte Tumore im Mundraum beobachtet. Möglicher Grund: Immer mehr junge Leute praktizieren Oralsex.

Außerdem spricht für die HPV-Impfung von Jungen, dass durch die Impfung indirekt auch ungeimpfte Mädchen geschützt werden. Denn wenn ein Junge geimpft ist, kann er künftige Sexualpartnerinnen nicht mehr anstecken. Wären möglichst viele Jungen gegen HPV geimpft, würden langfristig auch homosexuelle Männer profitieren: Bei ihnen treten Tumore durch Papillomviren häufiger auf als in der übrigen Bevölkerung. Und die HPV-Impfung schützt auch vor lästigen Genitalwarzen.

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Wie sicher ist die Impfung? Weltweit haben inzwischen Millionen Mädchen und Jungen die Mehrfachimpfung erhalten. Schwere Nebenwirkungen sind extrem selten aufgetreten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bewertet den Impfstoff als sehr sicher. Ob es dank der Impfung tatsächlich weniger Tote durch Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-bedingte Tumore gibt, steht im Moment noch nicht ganz fest. Diese Tumore brauchen oft 15, 20 oder noch mehr Jahre, bis sie auffallen und für Betroffene tödlich enden. So lange ist die Impfung noch nicht auf dem Markt. Man weiß aber, dass die Zahl gefährlicher Krebsvorstufen durch die Impfung deutlich abgenommen hat – wahrscheinlich wird daher auch die Todesrate in ein paar Jahren deutlich sinken. Mein Rat also an alle Jungen: Lasst euch impfen!

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