21.01.2020 Arzt-Kolumne

Hallux valgus: Gymnastik, Schienen oder OP?

Dr. Thomas Schneider ist leitender Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Er ist spezialisiert auf Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen.
Dr. Thomas Schneider ist leitender Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Er ist spezialisiert auf Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen.  Fotoquelle: Gelenk-Klinik Gundelfingen

Können wirklich enge Schuhe mit hohen Absätzen Ursache meines Hallux valgus sein, fragte mich kürzlich eine Patientin. Und in der Tat lag die 37-jährige nicht falsch mit ihrer Vermutung.

Das Laufen im falschen, unbequemen Schuhwerk kann zu schmerzhaften Fehlstellungen des Großzehengrundgelenks führen. Allerdings spielen hierbei auch die genetische Veranlagung und ein schwaches Bindegewebe eine entscheidende Rolle.

Es gibt rund 30 OP-Methoden

Die Behandlung des auch als "Ballenzeh" bezeichneten Hallux valgus ist nicht einfach und kein Standard-Verfahren. Denn schließlich handelt es sich dabei um eine Sammeldiagnose für sehr unterschiedliche Krankheitsprozesse. Die Therapie muss dementsprechend den individuellen Beschwerden gerecht werden. Im Anfangsstadium helfen oft Fuß- und Zehengymnastik sowie Schaumstoffpolster und Schienen zur Schmerzlinderung. Bei mäßigen Fehlstellungen genügen oft minimal-invasive, das heißt gewebeschonende, mit kleinsten Schnitten durchgeführte Verfahren.

Der Vorteil: Durch die kleinen Schnitte werden die Weichteile kaum durch Narbenbildung in Mitleidenschaft gezogen. Doch bei ausgeprägten Fehlstellungen können minimal-invasive Methoden kaum noch etwas ausrichten. In diesen Fällen bleibt nur eine der rund 30 verschiedenen OP-Methoden, die es hierzulande gibt. Diese haben das Ziel, den "Normalzustand" der Großzehenstellung wiederherzustellen und Schmerzen weitgehend zu reduzieren.

Das Prinzip aller Methoden ist weitgehend gleich: Bei einem Hallux valgus-Eingriff wird der Knochen durchtrennt und dessen Achse wieder gerade ausgerichtet. Ziel ist es, den Zug der Sehnen und Muskeln an der Großzehe zu normalisieren. Grundsätzlich gilt: Je schwerer die Fehlstellung, umso aufwändiger die OP. Welches Verfahren jeweils das Beste ist, entscheidet der Operateur oftmals erst beim Eingriff nach direkter Sicht auf das Gelenk. Denn dann erst sind Schwere der Fehlstellung bzw. Ausmaß der Knorpelschäden deutlich ersichtlich.

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