07.04.2020 Arzt-Kolumne

Potenzprobleme durch Diabetes

Von Jochen Heß
Professor Dr. Jochen Heß ist Stellvertretender Direktor der Klinik für Urologie  am Universitätsklinikum Essen.
Professor Dr. Jochen Heß ist Stellvertretender Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen. Fotoquelle: Universitätsklinikum Essen

Diabetes ist mit etwa 30 Prozent die zweithäufigste Ursache für eine erektile Dysfunktion, also Impotenz. Rund die Hälfte aller Diabetiker leidet binnen zehn Jahren nach der Diagnose unter Potenzproblemen. Insbesondere bei den unter 45-Jährigen können diese sogar erste Anzeichen für Diabetes sein.

Auch einer meiner Patienten war davon betroffen. Der 38-Jährige litt sehr darunter. "Wieso kann meine Diabetes Auswirkungen auf meine Potenz haben?", fragte er mich. Sind die Blutzuckerwerte häufig nicht in der Norm, werden auch Nerven und Gefäße im Penis geschädigt. Nervenschäden können die Erektionsfähigkeit verringern. Eine schlechte Durchblutung im Penis kann sich zudem negativ auf die Potenz auswirken.

Verschiedene Behandlungen sind möglich

Obwohl – wie bei Diabetes – oft eine körperliche Ursache vorliegt, entwickeln sich mit der Zeit Versagensängste, die die Erektionsstörung oft verstärken. Bei kontinuierlichen Erektionsstörungen, die länger als sechs Monate andauern, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Es gibt verschiedene Optionen der Behandlung. Neben der Hormontherapie spielt die wichtigste Rolle die Behandlung mit PDE-5-Hemmern, die in der Regel kurz vor der gewünschten Erektion eingenommen werden. Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie wird die Erektion durch eine Spritze in den Penis ausgelöst. Der Wirkstoff kann auch in die Harnröhre gebracht oder als Gel auf die Eichel aufgetragen werden.

Vakuumpumpen erzeugen äußerlich am Penis durch Unterdruck eine Erektion. Schwellkörperimplantate erfordern eine Operation, wirken aber mit am zuverlässigsten. Kosten für diese beiden Verfahren tragen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie, die sich für ausgewählte Männer in Studien als wirksam erwiesen hat, sollen Niedrigenergie-Stoßwellen die Bildung neuer Blutgefäße im Penis stimulieren, um die Durchblutung und damit die Erektionsfähigkeit zu verbessern.

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