Eine 51-jährige Patientin, die kürzlich meine Praxis aufsuchte, plagten seit rund 20 Jahren regelmäßige Kopfschmerzattacken. Begleitet wurden diese von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Die Lehrerin war regelmäßig nicht vollständig arbeitsfähig – und das bis zu zehn Tage im Monat. "Wenn es beruflich besonders stressig ist, kommen meine Kopfschmerzen", erklärte mir die Patientin. Ich diagnostizierte bei ihr eine chronische Migräne, da sie unter mehr als acht Schmerzanfällen im Monat litt und darüber hinaus 15 Kopfschmerztage hatte.

Therapien vorbeugend anwenden

So wie dieser Patientin geht es vielen Betroffenen. Sie haben teils jahrzehntelang regelmäßig wiederkehrende quälende Kopfschmerzen und wissen nicht, dass sie unter Migräne leiden. Grundsätzlich kommt es darauf an, nicht erst abzuwarten, bis der Kopfschmerz da ist, sondern medikamentöse Therapien vorbeugend anzuwenden. Etwa 25 bis 30 Prozent aller Patienten, die unter Migräne leiden, haben so häufige und schwere Migräneattacken, dass sie eine Miräneprophylaxe benötigen. Eine vorbeugende Therapiemöglichkeit für chronische Migräne-Patienten ist die halbjährige Einnahme von Betablockern oder Antidepressiva. In der Akutbehandlung werden Triptane eingesetzt, sobald der Schmerz den Alltag behindert.

Da bei meiner Patientin keine andere vorbeugende Therapie erfolgreich war, entschied ich mich mit einer Antikörperbehandlung zu beginnen. Hier werden Antikörper angewendet, die den Rezeptor, an dem der Schmerzbotenstoff eingeht, blocken, oder den Schmerzbotenstoff selber. Bei ihr führte die Behandlung zu einer erheblichen Verbesserung der Beschwerden. Darüber hinaus empfehle ich allen Patienten, die unter stressbedingter Migräne leiden, regelmäßig mindestens zweimal wöchentlich Sport zu treiben, sich viel an der frischen Luft zu bewegen und Entspannungszeiten in den Alltag einzubauen. Ich nenne das "Ich-Zeit". Das können 20 bis 30 Minuten täglich sein, in denen man einfach einmal gar nichts macht.