Ein Schnitt, ein Sturz, eine Verbrennung: Wunde ist nicht gleich Wunde. Dermatologe Dr. Ulrich Ohnemus gibt Tipps für eine schnellere Heilung.

Die meisten Verletzungen heilen bei gesunden Menschen innerhalb von einer bis maximal vier Wochen. Wurde bis vor Kurzem empfohlen, Wunden trocken zu halten, hat sich inzwischen das modernere Konzept der feuchten Wundheilung durchgesetzt. Durch das permanent feuchte Milieu kann sich keine Kruste bilden, was die Regeneration der Hautzellen beschleunigt. Dermatologe Dr. Ulrich Ohnemus erläutert die gängigsten Wundarten und gibt Tipps für die Heilung.

Schnittwunden ...

... können je nach Tiefe sehr unangenehm sein und stark bluten, besonders am Finger. Ist eine Arterie betroffen, kommt es zu pulsierenden Blutungen. Vorgehen: bei starker Blutung Druckverband anlegen (bei pulsierenden Blutungen rasch zum Arzt). Wunde desinfizieren (siehe unten); drei bis fünf Minuten warten; Pflaster aufkleben. Ein Pflasterwechsel erfolgt in der Regel alle zwei Tage, sofern die Wunde sauber bleibt und nicht schmerzt.

Schürfwunden ...

... sind Schrammen, bei der die obere(n) Hautschicht( en) verletzt bzw. abgeschürft ist/sind. Sie heilen meist von allein ab. Vorgehen: desinfizieren; Wund- und Heilsalbe auftragen, z. B. mit dem Wirkstoff Dexpanthenol. Bei flächigen Wunden in feuchten Bereichen wie Hautfalten empfiehlt sich Zinkpaste. Sie wirkt antiseptisch und leicht austrocknend.

Brandwunden ...

... ersten Grades sind intensiv gerötet, mitunter geschwollen. Zweiten Grades treten Blasen auf, dritten sogar Verkohlungen. Bei beiden Letzteren ist ein Arztbesuch ratsam. Vorgehen: sofort und möglichst lange kühlen, mindestens zehn Minuten, am besten über mehrere Stunden immer wieder, entweder unter fließendem Leitungswasser oder per Kühl- Akku, der in ein sauberes Tuch gewickelt ist; ggf. Brandsalbe auftragen; ggf. zum Arzt gehen.

Biss- und Kratzwunden ...

... stammen meist von Tieren und können sich je nach Art schmerzhaft entzünden. Vorgehen: sofort desinfizieren; nach Bedarf mit Verband oder Pflaster schützen. Klären: Ist das Tier krank? Besteht ein Tollwut-Impfschutz? Bei Infektionsrisiko: Arzt konsultieren.

Schleimhaut-Wunden ...

... entstehen im Mund zum Beispiel durch einen Biss in die eigene Wange oder Lippe. Vorgehen: Sofern keine starken Blutungen entstehen, heilt die Verletzung von selbst.

Achtung, Pflaster ...!

Entfernen Sie Pflaster am besten so vorsichtig, dass die Wunde nicht wieder aufreißt. Krusten besser nicht berühren oder gar abkratzen, sonst steigt das Infektionsrisiko, und der Heilprozess unterbricht.

Gut zu wissen

Chronische Wunden von mehr als vier Wochen Dauer heilen meist besser, wenn sie mit speziellen Wundauflagen, etwa mit Hydrokolloid-, Silikon- oder Polyurethanschaumverbänden feucht gehalten werden. Zum Abtöten von Bakterien können unter anderem Silber- Ionen dienen.

Säubern: das A und O

Permanent besiedelt von friedlichen Bakterien, ist Haut nie steril. Von Wunden fernhalten sollte man aber Bakterien, die Entzündungen und Krankheiten hervorrufen. Essentiell: ein aktiver Impfschutz gegen Tetanus. Die den Wundstarrkrampf auslösenden Bakterien breiten sich über das Erdreich aus und können Wunden gerade im Freien leicht kontaminieren. Auch Schmutz schadet der verletzten Haut. Frische Wunden sind daher möglichst schnell mit einem Antiseptikum zu desinfizieren, etwa per Spray mit Octenidin. Im Gegensatz zum früher gängigeren Jod brennt der Inhaltsstoff nicht auf der Haut. Auch Alkohole, Polihexanid und Chlorhexidin wirken antiseptisch.

Regeneration der Haut

Eine Wunde ist ein Defekt einer bis mehrerer Haut- oder Unterhautschichten zwischen den Wundrändern.
Die Phasen bis zur Regeneration:

  • Exsudationsphase (Blutung, Blutstillung, Entzündung): Das Blut schüttet Entzündungszellen aus. Sie säubern die Wunde und setzen den Heilprozess in Gang.
  • Granulationsphase (Zellneubildung): Vom Wundgrund bilden sich Bindegewebszellen. Vom Wundrand aus sprossen neue Oberhautzellen ins Zentrum der Wunde ein, bis sie komplett bedeckt ist. Mitunter bildet sich vorab eine Kruste von Blut- und Fibrinbestandteilen.
  • Narbenbildung: Tiefer liegende verletzte Hautschichten heilen nicht glatt, sondern bilden Narben, manchmal überschießend, die besonders im Schultergürtelbereich knotig sein können.