Wenn das Herz aus dem Takt gerät, muss das nicht gleich etwas Bedrohliches sein. Ein leichtes Stolpern durch zusätzliche Herzschläge, sogenannte Extrasystolen, ist meist völlig harmlos. Doch wenn dieses Herzstolpern über Minuten oder Stunden auftritt oder mit anderen Beschwerden wie Schwindel, Bewusstseinsstörungen oder Atemnot einhergeht, sollte man hellhörig werden.

Das Problem: Auch bedenkliche Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern treten manchmal ohne solche Vorwarnungen auf und bleiben dann unbemerkt. Und auch, wenn die Zahlen rückläufig sind, sterben in Deutschland jährlich immer noch 338.000 Menschen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie der jährlich von der Deutschen Herzstiftung herausgegebene Herzbericht zeigt. Darunter mehr Frauen als Männer.

Ein Ampelsystem zeigt an, wie es dem Herz geht

Um diese unbemerkten Fälle will sich das Unternehmen Preventicus aus Jena mit einer neuen App kümmern. Sie kann eine präzise Herzrhythmusanalyse durchführen und, falls es zu Auffälligkeiten kommt, diese für den Arzt dokumentieren. Dafür muss der Nutzer nur seine Fingerkuppe auf die Kamera des Smartphones legen, die dann mit Hilfe des eingebauten Blitzlichts den Puls im Finger untersucht – vergleichbar mit der beim Arzt durchgeführten "Photoplethysmographie".

Dabei kann die Untersuchung jederzeit durchgeführt werden – in Momenten, in denen Nutzer ein Herzstolpern bemerken und verunsichert sind, aber auch als vorbeugende Maßnahme.

Dargestellt wird das Ergebnis mit einem einfachen Ampelsystem: Sind mehr als fünf Prozent aller Herzschläge Extrasystolen, liegt ein Verdacht auf eine leichte Herzrhythmusstörung vor, die Ampel wird gelb. Ergibt die Messung eine absolute Arrhythmie mit Verdacht auf Vorhofflimmern (Verdacht auf erhebliche Herzrhythmusstörungen), wird die Ampel rot. Darüber hinaus informiert die App auch über eine relevante dauerhaft zu niedrige (Bradykardie) oder eine zu hohe Herzrate (Tachykardie).

Herz-App: getestet in einer klinischen Studie

Die App mit dem Namen "Preventicus Heartbeats" ist CE-zertifiziert und an der Universitätsklinik Basel in einer klinischen Studie auf ihre Zuverlässigkeit getestet worden. Dabei wurden in einer zweiminütigen Messung bereits 90 Prozent aller Probanden korrekt klassifiziert, wobei sich diese Rate durch eine Verlängerung der Messdauer auf fünf Minuten auf 95 Prozent steigern ließ.