Fühlt sich unsere hintere Körperhälfte vernachlässigt, kann das zu dauerhaften Beschwerden führen.

"Was genutzt wird, bleibt. Was ungenutzt bleibt, verkümmert." Wer diese Formel befolgt, hat die besten Voraussetzungen, seinen Rücken fit zu halten. Andernfalls baut die Muskulatur stetig ab, was sich in Fehlhaltungen und Schmerzen äußern kann. Von allein bleibt der Rücken nicht in Form. Er braucht Aufmerksamkeit – und Pflege. "Wir investieren täglich eine halbe Stunde in unsere Frontpartie, wenn wir in den Spiegel schauen", sagt Dr. Ingo Froböse, Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Die Wirbelsäule dagegen erleidet eine Vernachlässigung."

Rückenschmerzen seien daher oft ein Hilferuf des zu wenig beachteten Körperteils und in vielen Fällen ein Symptom von Stress, etwa aufgrund von Termindruck oder Kummer. Die Sorgen lasteten sprichwörtlich wie psychosomatisch auf Schultern und Wirbelsäule, beschreibt Froböse. "Der Rücken spiegelt die Seele. Umso wichtiger ist es, den Akku wieder aufzuladen. Sich dem Rücken zuzuwenden, ein Bad oder eine Massage zu genießen, kann schon viel helfen." Ebenso eigne sich aktive Entspannung im Büro, entweder in Form von kurzen Bewegungspausen oder Entspannungssequenzen, etwa mit Übungen der progressiven Muskelrelaxation.

Wichtig: nicht in eine Starre verfallen, denn Bewegungsmangel verstärkt in der Regel die Beschwerden. "Aktive Pausen sind das Stichwort. Sitzen ist das neue Rauchen", sagt Froböse. In jede Stunde sollten fünf Minuten Bewegungspause eingebaut werden. Mit einer Kombination aus Bewegung und Entspannung lassen sich dem Sportprofessor zufolge die meisten Rückenschmerzen beheben. Sie seien keiner eindeutigen Struktur zuzuordnen, nur zwei bis drei Prozent der Fälle seien durch Bandscheibenbeschwerden bedingt. Dennoch würden jährlich rund 60.000 Menschen in Deutschland an der Bandscheibe operiert.

Bei starken, anhaltenden oder plötzlichen Rückenschmerzen sollte ein Arzt die Ursache klären.