Rund 80.000 Stunden verbringt ein Angestellter bis zur Rente durchschnittlich sitzend am Schreibtisch, haben Experten errechnet. Dass dies auf Dauer Rücken und Gelenken schwer zu schaffen machen kann, zeigte sich auch bei einem 56-jährigen Patienten von mir.

Mit einem Hexenschuss und nahezu bewegungsunfähig erschien er in gebückter Haltung in der Klinik. Litten früher viele Menschen unter körperlicher Arbeit, so sind die meisten Arbeitnehmer heute reine "Schreibtischtäter" – und genau das ist das Problem: Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Hexenschuss, Arthrose und Bandscheibenvorfälle sind mögliche Folgen des Dauersitzens. Dabei führt langes Sitzen keineswegs unweigerlich zu Rückenschmerzen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der körperliche Ausgleich fehlt.

So war es auch bei meinem Patienten. Tag für Tag verbringt er nach eigenen Angaben zwölf bis 13 Stunden sitzend – inklusive der Fahrten zur Arbeit und des abendlichen Faulenzens auf der Couch. Körperliche Schonung und eine physikalische Therapie linderten seine Schmerzen. Die Blockaden der Wirbelgelenke konnten durch eine gezielte Chirotherapie gelöst werden. Als Prophylaxe riet ich zu regelmäßiger körperlicher Bewegung sowie zu einer Gewichtsabnahme.

Zwischendurch bewegen

Um Rücken und Gelenke bei der täglichen Arbeit zu entlasten, empfahl ich dem Patienten einen häufigeren Wechsel der Sitzposition. Ob im Bürostuhl oder auf dem Sofa: Gut ist es, möglichst oft zwischen aufrechter, vorgeneigter und zurückgelehnter Haltung zu wechseln. Dabei das Gewicht des Öfteren von der einen auf die andere Gesäßhälfte verlagern. Wohltuend für Rücken und Kreislauf ist auch hin und wieder ein kleiner Gang durchs Büro oder Wohnzimmer.

Besprechungen im Stehen fördern ebenfalls die Rückengesundheit. Weniger komfortabel, dafür aber durchaus rückenfreundlich sind Sitzbälle. Orthopäden empfehlen, mehrmals täglich für mindestens zehn Minuten darauf sitzend zu verbringen. Alternative zum Ball ist ein Balancekissen, das man auf den Stuhl legt. Dabei wird die Muskulatur permanent durch kleine Ausgleichsbewegungen gefordert. Dies stärkt die Selbstheilungskräfte der Wirbelsäule.