Vor einigen Wochen kam ein Patient in meine Praxis und fragte mich nach dem "richtigen" Schlafverhalten im Alter. Denn er war verunsichert, weil er nicht mehr durchschlafen konnte und morgens früher als gewohnt aufwachte. Ich konnte ihn beruhigen und versicherte ihm, dass dies völlig normal sei.

Denn das Schlafverhalten und die Schlafqualität ändern sich im Alter: Durch die natürliche Verschiebung des biologischen Tagesrhythmus gehen ältere Menschen oft früher schlafen, dafür wachen sie morgens früher auf. Die Schlafdauer nimmt ab, meist beträgt sie nur noch sechs bis sieben Stunden. Die Tiefschlafphasen verkürzen sich oder verschwinden ganz und kurze Aufwachperioden nehmen zu. Dabei unterbricht häufig auch nächtlicher Harndrang den Schlaf.

Parallel zum kürzeren und unterbrochenen Nachtschlaf kommt es tagsüber zu kurzen Schlummerphasen, die gern als "Nickerchen" bezeichnet werden. Diese Phänomene sind alterstypisch, völlig normal und kein Grund, ein Schlafmittel-Medikament zu verordnen.

Viele einfache Mittel

Was kann mein Patient tun, um die nebenwirkungsfreien Möglichkeiten von Naturheilverfahren oder anderen Maßnahmen zu nutzen? Ausreichende Schlafhygiene ist hilfreich, also eine ruhige Schlafumgebung ohne Musik, Fernsehen und Handy. Ebenso eine Temperatur im Schlafzimmer von unter 19 Grad Celsius. Ich empfehle auch, den kleinen Mittagsschlaf nicht über 30 Minuten auszudehnen und auf weitere Nickerchen während des Tages zu verzichten. Das gilt besonders für Heimbewohner oder Patienten im Krankenhaus. Es gilt, das helle Tageslicht zu nutzen, denn Bewegung, Spaziergänge und frische Luft fördern die spätere Nachtruhe.

Gern habe ich meinen Patienten an das alte Hausmittel der warmen Milch erinnert. Das kann ich auch heute noch sehr empfehlen. Es fördert das Einschlafen genauso wie Bananen, Nüsse und Weintrauben. Warme Füße und eine entspannte Muskulatur sind ebenso förderlich. Und wenn dies alles nicht hilft? Dann empfehle ich, mit dem Hausarzt zu sprechen und gegebenenfalls einen Spezialisten – zum Beispiel einen Internisten, Geriater oder Neurologen – hinzuzuziehen.