Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte der Arzt Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler zwölf Mineralsalze. Sie sollen helfen, Krankheiten auf molekularer Ebene zu heilen.

Als erster Mediziner führte der Arzt und Pathologe Rudolf Virchow 1858 Krankheiten auf Störungen von Körperzellen zurück. Von Jakob Moleschott, Arzt und niederländischer Physiker, stammt die Erkenntnis, dass Mineralsalze im menschlichen Organismus mit Blick auf seine Zellen eine wichtige Funktion haben. Auf diesen beiden zentralen Erkenntnissen basiert die Mineralsalz- Therapie von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898): Der im niedersächsischen Bad Zwischenahn geborene homöopathische Arzt begründete die biochemische Heilweise mit nach ihm benannten Salzen. Deren Standardproduktion leitete 1873 der Leipziger Apotheker Dr. Wilhelm Schwabe ein.

Was sind Schüßler-Salze?

Schüßler-Salze gibt es als Salben und Tabletten. Letztere sind verbreiteter; sie werden auf Basis von Weizenstärke und Milchzucker in der Potenz D3, D6 oder D12 vertrieben. Alle Salze enthalten kleinste Mengen an Mineralstoff-Molekülen und sollen an der Zellhülle, im Zellinneren und in der Zwischenzellmatrix wirken und als biochemische Funktionsmittel (keine Arzneimittel) gestörten Zellen signalisieren, Mineralstoffe wieder stärker aus der Nahrung aufzunehmen und so einwandfrei zu arbeiten. "Die Salze stellen die Ordnung im Organismus der Zelle wieder her", umschreibt Angelika Gräfin Wolffskeel von Reichenberg, Heilpraktikerin und Vizepräsidentin des Biochemischen Bundes Deutschland (BBD).

Ist das homöopathisch?

Obwohl sowohl Biochemie als auch Homöopathie auf Potenzierung (Verdünnung) setzen, unterscheiden sie sich. Homöopathische Globuli sollen nach dem Ähnlichkeitsprinzip wirken, also Gleiches mit Gleichem heilen. SchüßlerSalze sollen Fehlendes mit Fehlendem ersetzen. Beide Varianten sind "natürliche Hilfsmittel, mit denen viele Menschen zu Gesundung und Energie kommen möchten", sagt Gräfin Wolffskeel. Seit etwa 15 Jahren erleben SchüßlerSalze der Expertin zufolge eine Renaissance. Durch langsames Lutschen sollen die Mineralstoffe über Mundund Rachenschleimhaut zu den bedürftigen Zellen befördert werden, ohne die gesunden zu stören. Salben wirken über die Haut.

Umstrittene Wirkung

Wie die Homöopathie sind auch SchüßlerSalze umstritten und wissenschaftlich nicht anerkannt – Kritiker werfen dieser Methode vor, dass ihre Wirksamkeit nicht durch Studien belegt ist. Gräfin Wolffskeel schildert, dass die Salze zudem bei schweren chronischen Leiden sowie TumorErkrankungen an ihre Grenzen stießen. "Sie können aber durchaus begleitend angewendet werden. Schmerzpatienten etwa hilft die 7, bei Einund Durchschlafstörungen haben sich 7 und 11 bewährt." Eine Überdosierung sei wegen der geringen Wirkstoffmengen nicht möglich – bei sehr empfindlichen Menschen könnten mehr als 40 Tabletten pro Tag allerdings leicht abführend wirken. Neben den zwölf von Schüßler hergestellten Grundlagensalzen wurden nach dessen Tod weitere wichtige Stoffe gefunden und damit Ergänzungssalze entwickelt. Diese können zusätzlich oder als Alternative eingenommen werden, falls die Grundlagensalze nicht wirken. Am häufigsten kommen die Salze 3, 5, 6, 7 und 11 zum Einsatz.

Übersicht: Welches Salz steht wofür?

  1. Calcium fluoratum – Bindegewebe, Gelenke, Haut
  2. Calcium phosphoricum – Knochen und Zähne
  3. Ferrum phosphoricum – Immunsystem
  4. Kalium chloratum – Schleimhäute
  5. Kalium phosphoricum – Nerven und Psyche
  6. Kalium sulfuricum – Entschlackung
  7. Magnesium phosphoricum – Muskeln und Nerven
  8. Natrium chloratum – Flüssigkeitshaushalt
  9. Natrium phosphoricum – Stoffwechsel
  10. Natrium sulfuricum – innere Reinigung
  11. Silicea – Haare, Haut, Bindegewebe
  12. Calcium sulfuricum – Gelenke
  13. Kalium arsenicosum – Haut
  14. Kalium bromatum – Nervensystem
  15. Kalium jodatum – innere Organe
  16. Lithium chloratum – innere Reinigung
  17. Manganum sulfuricum – Bindegewebe, Gelenke,
  18. Calcium sulfuratum Hahnemanni – Regeneration
  19. Cuprum arsenicosum – Muskeln und Nerven
  20. Kalium aluminium sulfuricum – glatte Muskulatur
  21. Zincum chloratum – Nervenstoffwechsel
  22. Calcium carbonicum Hahnemanni – Kalziumstoffwechsel und Lymphsystem
  23. Natrium bicarbonicum – Säure-Basen-Haushalt
  24. Arsenum jodatum – Atemwege und Haut