Wenn Kinder ihren sechsten Geburtstag feiern, ist schon fast alles gelaufen. Denn dann hat das Auge volle Sehkraft entwickelt. Gut so? Leider nicht. Denn das bedeutet umgekehrt: Dann lässt sich oft nichts mehr machen – wenn ein Kind fehlsichtig geboren ist und die Fehlsichtigkeit bis dahin noch hätte korrigiert werden können. Dann schaltet das Gehirn das fehlsichtige Auge ab, das Kind bleibt lebenslang einäugig, kann nicht räumlich sehen.

Warum Eltern das verhindern sollten? Weil sie ihren Kindern sonst sogar Berufswünsche unmöglich machen. Piloten etwa und viele Menschen, die am PC arbeiten, brauchen 100 Prozent Sehkraft. Oder sie dürfen nur noch vier Stunden täglich am Bildschirm sitzen und finden deshalb schwerer einen Job.

Zugegeben, es erfordert Zeit und Mühe für den Arzt. Das Wartezimmer ist voll, Babys zappeln und er hat vielleicht auch kein Händchen für Kleinkinder.

Doch entdeckt der Arzt eine Amblyopie – also Fehlsichtigkeit –, kann er sie in dem frühen Stadium oft korrigieren. Dann verschreibt er eine Brille, die bis zu viermal im Jahr kontrolliert und immer wieder aufs Neue dem Auge angepasst wird – durch Abkleben oder ein neues Brillenglas. Manchmal muss ein Kind zudem in die Sehschule zu einer Orthoptistin im Krankenhaus oder in einer Großpraxis. Hinzu kommt, dass es den wenigsten Eltern auffällt, wenn ihr Kind schlecht sieht oder schielt. Das Flugzeug kann das Kind ja auch mit einem Auge erkennen – trotzdem fehlt ihm vielleicht räumliches Sehen.

Kinderaugen sollten im siebten Monat sowie im dritten, sechsten und zwölften Lebensjahr kontrolliert werden. Und zwar vom Augenarzt, nicht von einem Optiker, der als Handwerker nötige Untersuchungen mit Atropin-Augentropfen nicht vornehmen darf.

Nicht wenige Kinder haben Schwierigkeiten oder auch schlechte Schulnoten allein deshalb, weil sie schlecht sehen können. Gerade kleine Kinder können das aber nicht artikulieren, denn sie verstehen meist den Zusammenhang nicht.