16.11.2021 Arzt-Kolumne

Ungewollt kinderlos: Endometriose oder Chlamydien?

Von Stefan Dieterle
Prof. Dr. Stefan Dieterle gehört zu den bekannten Medizinern im Bereich Kinderwunsch und ist Gründer der Kinderwunschzentren in Dortmund, Siegen, Dorsten und Wuppertal.
Prof. Dr. Stefan Dieterle gehört zu den bekannten Medizinern im Bereich Kinderwunsch und ist Gründer der Kinderwunschzentren in Dortmund, Siegen, Dorsten und Wuppertal. Fotoquelle: Rene Gaens

Bei einer 28-jährigen Patientin mit Kinderwunsch wurde eine schwere Endometriose diagnostiziert. "Ist das der Grund, warum ich nicht schwanger werde?", fragte mich die Bürokauffrau. "Ein unerfüllter Kinderwunsch kann in der Tat eine Folge von Endometriose sein", antwortete ich ihr.

Bei dieser Erkrankung befindet sich Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutter. Häufig findet man diese Veränderungen in der Bauchhöhle, an den Eierstöcken und Eileitern oder am Darm. Endometriose kann zu Verwachsungen führen, die die Eileiter der betroffenen Frauen verschließen. Die Eileiterdurchgängigkeit ist aber entscheidend für die Befruchtung. Damit Samenzellen und Eizelle zusammentreffen können, müssen die Eileiter durchgängig sein.

Die Endometriose ist eine hormonabhängige Erkrankung. Zwischen fünf und 15 Prozent der Frauen im reproduktionsfähigen Alter sind betroffen. Unterbauchschmerzen, zyklusabhängige Beschwerden, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und unerfüllter Kinderwunsch sind Hauptsymptome. Die Entstehung ist nicht genau bekannt. Endometriose wird möglicherweise dadurch verursacht, dass bei der Menstruation abgestoßene Schleimhaut durch die Eileiter in die Bauchhöhle und zu den betroffenen Organen gelangen und sich dort festsetzen kann. Sie ist eine gutartige Erkrankung, die aber zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen kann. Aufgrund des häufig gemeinsamen Auftretens von Endometriose und unerfülltem Kinderwunsch ist eine gründliche gynäkologische Untersuchung wichtig. Manchmal ist eine Bauchspiegelung nötig, um die Endometrioseherde zu entfernen und die Funktion der Eileiter zu überprüfen. Wenn ein Verschluss der Eileiter vorliegt, ist eine künstliche Befruchtung, die sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF), möglich. Studien haben gezeigt, dass auch Frauen mit Endometriose gute Chancen haben, durch eine künstliche Befruchtung schwanger zu werden.

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Eine weitere Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit kann die durch ungeschützten Sexualverkehr verursachte Chlamydien-Infektion sein. Sie kann durch einen Abstrich vom Gebärmutterhals der Frau oder durch eine Urinuntersuchung festgestellt und mit Antibiotika behandelt werden. Sowohl Frauen als auch Männer können infiziert sein. Werden sie nicht erkannt und nicht behandelt, können sie eine chronische Entzündung verursachen, die von den Betroffenen häufig unbemerkt bleibt. So kann die Entzündung über Jahre bei Frauen zu einem Verschluss der Eileiter führen. In diesem Fall ist eine Befruchtung außerhalb des Körpers notwendig. So können auch diese Frauen schwanger werden

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