14.09.2021 Arzt-Kolumne

Vergrößerte Prostata: Nicht jeder ist gleich ein Patient

Von Boris Hadaschik
Prof. Dr. med. Boris Hadaschik ist Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen.
Prof. Dr. med. Boris Hadaschik ist Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Essen. Fotoquelle: Universitätsmedizin Essen

"Was kann ich tun, um wieder Herr über meine Blase zu werden?", fragte mich ein 64-Jähriger vor wenigen Tagen. Er litt immer häufiger an plötzlichem, starkem Harndrang, der ihn tagsüber belastete und nachts um den Schlaf brachte. Bei Männern ist es meist eine vergrößerte Prostata, die solche Beschwerden verursacht.

Durch hormonelle Veränderungen wird die Prostata mit zunehmendem Alter größer. Das beginnt oft ab dem 50. Lebensjahr und führt allein in Deutschland bei einem von vier Männern zu Problemen beim Wasserlassen. Viele bemerken zunächst, dass sie häufiger zur Toilette müssen. Im weiteren Verlauf kann der Harnstrahl schwächer werden oder sogar ganz ausbleiben.

Oftmals konsultieren Betroffene erst den Urologen, wenn ihre Lebensqualität beeinträchtigt wird. Der individuelle Leidensdruck wird besprochen und standardisiert per Fragebogen ermittelt. Um Prostatakrebs als Ursache auszuschließen, erfolgen eine PSA-Bestimmung und eine rektale Tastuntersuchung. Die gute Nachricht: Hinter dem Beschwerdebild der Prostatavergrößerung verbirgt sich nur selten Prostatakrebs.

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Ob eine Behandlung nötig ist, hängt davon ab, wie belastend die Beschwerden sind. Viele Patienten kommen ohne Therapie aus. Es reicht häufig schon, abends weniger zu trinken. Bei Bedarf stehen unter anderem Alpha-Blocker zur Verfügung, die den Blasenausgang entspannen. Alternativ gibt es Medikamente, die die Prostata schrumpfen lassen. Diese werden seltener eingesetzt, weil sie die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen können. Reichen Medikamente nicht aus, gibt es zudem verschiedene operative Verfahren zur Verkleinerung der Prostata. Unabhängig von der Behandlung raten wir allen Patienten zu einem gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung. Hierbei gilt: Was fürs Herz gut ist, ist auch gut für die Prostata.

Da unser Patient sich durch den ständigen Harndrang stark eingeschränkt fühlte, haben wir uns für eine Therapie mit einem Alpha-Blocker entschieden. Das Medikament schlägt gut an und kann über Jahre eingenommen werden.

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