Letzte Woche kam eine 32-jährige Patientin in meine Sprechstunde. Die Patientin klagte darüber, dass sie immer wieder Verstopfung habe und sehr darunter leide. Sie hätte schon alles Mögliche - auch Abführmittel - ausprobiert, aber ohne langfristigen Erfolg. Selbst eine Tasse Espresso morgens auf leeren Magen helfe nichts.

Nach ihrem Lebensalltag befragt sagte mir die alleinstehende Bürokauffrau sie esse unregelmäßig und bewege sich eher wenig. Weil sie häufig viele Überstunden mache, finde sie unterhalb der Woche keine Zeit für Hobbys wie Sport.

Jeder Schritt hält fit

So wie dieser Patientin geht es vielen Menschen. Langes Sitzen im Büro, unregelmäßiges Essen, Stress im Alltag, wenig Bewegung. Wenn die Verdauung dann regelmäßig streikt, ist das eine zusätzliche Belastung. So wie diese Patientin teilen viele Menschen die Auffassung, Sport sei vor allem gut, um Kalorien abzutrainieren. Das ist aber nur ein Teilaspekt. Denn regelmäßige Bewegung hält auch die Arterien elastisch, trainiert den Herzmuskel, senkt die Cholesterinwerte und kurbelt die Verdauung an.

Ich empfahl meiner Patientin, morgens vor dem Frühstück zwei Gläser lauwarmes Wasser recht schnell zu trinken. Auf diese Weise wird der Magen gedehnt. Über einen Reflex erhält der Enddarm dann den Reiz, sich zu entleeren. Außerdem gab ich ihr den Rat, stündlich ein Glas Wasser zu trinken. Ich riet ihr, jeden Tag eine halbe Stunde spazieren zu gehen oder wenigstens 3000 Schritte am Tag zu Fuß.

Die Patientin befolgte meinen Rat und hatte schon nach kurzer Zeit ganz ohne Medikamente keine Verstopfung mehr. Sie legte sich außerdem noch einen Fitness-Tracker zu, mit dem sie ihre tägliche Schrittzahl messen kann. Ihr Ziel ist es, 10.000 Schritte am Tag zu gehen. Sie weiß inzwischen: Jeder Schritt bewegt auch ihren Darm. Außerdem berichtete sie mir, dass sie nun besser schlafe.