01.07.2024 Arzt-Kolumne

Vitamin-D-Pillen – wer braucht sie?

Von Dr. Ina Lucas
Dr. Ina Lucas ist Apothekerin, Inhaberin
von vier Apotheken in
Berlin und Brandenburg und seit Mai 2024
Präsidentin der Apothekerkammer Berlin.
Dr. Ina Lucas ist Apothekerin, Inhaberin von vier Apotheken in Berlin und Brandenburg und seit Mai 2024 Präsidentin der Apothekerkammer Berlin. Fotoquelle: Spreekind-Fotografie

Ich habe gelesen, dass Kalzium allein nicht ausreicht, damit die Knochen stabil bleiben. Soll ich zusätzlich Vitamin D einnehmen oder brauche ich das nicht?“, fragte mich eine sportliche Kundin kürzlich in meiner Apotheke, ungefähr Mitte 60. Vitamin-D-Präparate gehören zu den häufig nachgefragten Produkten in meiner Apotheke. Sie sind in den Apotheken rezeptfrei im Bereich der Selbstmedikation erhältlich und werden stark beworben.

Vitamin D ist eine Ausnahme unter den Vitaminen. Denn der Körper kann es selbst herstellen, wenn genug Sonnenlicht auf die Haut fällt. Im Sommer ist das in der Regel kein Problem. Wer im Sommer ausreichend Sonne tankt, baut zudem einen Vorrat an Vitamin D auf, aus dem er im Winter zehren kann. Zu einem Mangel kann es in der lichtarmen Jahreszeit kommen oder bei Menschen, die zum Beispiel wegen Bettlägerigkeit wenig draußen sind. Ein Mangel kann auch bei denjenigen auftauchen, die ihre Haut in der Regel verhüllen, etwa aus religiösen Gründen oder weil sie sich vor Sonnenbrand schützen wollen. Im Alter lässt die Selbstproduktion in der Haut in der Regel ebenfalls nach.

Sie nehmen gegen Knochenschwund Kalzium ein, das ist gut. Davon brauchen Sie mindestens 1000 Milligramm Kalzium pro Tag. Damit Ihr Körper das Kalzium verwerten kann, braucht er Vitamin D“, erklärte ich ihr. Denn: Kann der Körper Vitamin D nicht selbst in ausreichender Menge herstellen, sollten mindestens 800 Internationale Einheiten zugeführt werden – in aller Regel als Nahrungsergänzungsmittel. Über Lebensmittel wie beispielsweise fettreiche Fische oder Lebertran ist diese Menge nur schwer zu erreichen. Insofern lautete meine Empfehlung für die Kundin: „Es hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab, ob die Vitamin-D-Einnahme für Sie sinnvoll ist oder nicht. Wenn Sie Gewissheit wollen, kann ich Ihnen gerne zusätzlich als Dienstleistung einen Vitamintest anbieten.“ Sie entschied sich nach dem Beratungsgespräch für ein vernünftig dosiertes Kombi-Präparat mit Kalzium und Vitamin D.

In allen Beratungsgesprächen zu Vitamin-D-Präparaten weisen wir zudem darauf hin, dass fettlösliche Vitamine wie Vitamin D überdosiert werden können. Bei Vitamin D sollte die Obergrenze von 4000 Internationalen Einheiten pro Tag in der Selbstmedikation keinesfalls überschritten werden. Denn eine Überdosierung kann die Nieren schädigen. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Knochenbrüche oder Gebrechlichkeit steigt bei zu hohen Dosen an. Schließlich gab ich meiner Kundin noch einen Rat: Am besten sollten Vitamin-D-Präparate zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden, damit sie im Körper besser aufgenommen werden können.

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