Kennen Sie das? Das Gefühl nach dem Essen, als hätten Sie einen Stein im Magen? Viele meiner Patienten machen sich Sorgen und fragen mich, was sie dagegen machen sollen. Aber nicht jedes Völlegefühl ist gleich eine Erkrankung.

Es kann sein, dass wir aus verschiedenen Gründen einfach zu viel und manchmal auch eher falsch gegessen haben. Denn im Gegensatz zu Tieren hört der Mensch nicht auf zu essen, wenn er ausreichend Nahrung zu sich genommen hat, sondern meist erst dann, wenn das Völlegefühl eingetreten ist. Klar, dass dies durch eine Ernährungsumstellung vermieden werden kann.

Der eigentliche Magen ist ein überaus intelligentes Organ. Je nach Arbeitssituation kann er seine Form flexibel gestalten. Im leeren Zustand ist der Magen ein kleiner Schlauch, der sich bei entsprechender Nahrungsaufnahme bis zum Zehnfachen ausdehnen kann. Da ist leicht vorstellbar, dass man allein durch diese Magen-Dehnung ein Völlegefühl bekommen kann.

Gestörte Verdauung

Der zweite Grund für das Unwohlsein ist die Luft, die bei mangelnder Verdauung entsteht. Funktioniert die Verdauung durch die Bauchspeicheldrüse und den Gallensaft nicht, so kann die Nahrung nicht in ihre Einzelteile zerlegt werden. Oder sie wird in falsche Einzelteile zerlegt, sodass im Bauch Gase entstehen, die Platz zum Entweichen benötigen.

Entstehen diese Gas-Ansammlungen im Magen-Darm-Trakt, so nimmt der Durchmesser von Dünn- und Dickdarm auf das Zwei- bis Dreifache zu. Berücksichtigt man, dass die Länge des Dünndarmes vier Meter betragen kann, so kann man sich gut vorstellen, dass das Organ nun viel mehr Platz im Bauch benötigt, als ihm zur Verfügung steht. Und so entsteht ein Völlegefühl.

Mythos Schnäpschen

Meine Patienten sprechen mich oft auf ein "Verdauungs-Schnäpschen" an, etwa einen Kräuterlikör, der in der Situation helfen soll. Diesen weit verbreiteten Glauben muss ich ein wenig entzaubern. Denn in Wahrheit sind es nur die Kräuter, die helfen, und nicht der Schnaps. Die Blähungen ließen sich durchaus auch mit einer alkoholfreien Kräutervariante beseitigen.