Eine 51-jährige normalgewichtige Patientin kam vor einem halben Jahr mit verschiedenen Beschwerden zu mir, die ihre Lebensqualität stark beeinträchtigten. Sie litt seit Längerem unter Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gelenkproblemen und allgemeiner Lustlosigkeit.

Die Patientin hatte seit mehr als einem Jahr keinen Zyklus mehr und befand sich in der Menopause. Ein Gynäkologe hatte die Patientin für gesund befunden. Auch das Mammografie-Screening ergab keine Hinweise auf Brustkrebs. "Da müssen sie in den Wechseljahren leider durch", war das Fazit ihres Frauenarztes. Doch die Patientin empfand kaum noch Lebensfreude. "Muss ich das wirklich aushalten?", fragte sie mich und bat mich um meine medizinische Zweitmeinung.

25 bis 30 Prozent der Frauen, die in die Menopause kommen, haben Beschwerden. Davon wiederum sehr viele länger als zehn Jahre. Diesen sollte man bei großem Leidensdruck die Hormontherapie auch nicht vorenthalten. Dennoch nehmen viele Frauenärzte heute davon Abstand, weil die WHI-Studie von 2002 ein erhöhtes Brustkrebsrisiko und weitere gesundheitliche Risiken gezeigt hat. Sehr häufig werden Frauen in dieser Lebensphase stattdessen mit Antidepressiva behandelt, die sehr unangenehme Nebenwirkungen haben. Nach einer intensiven Untersuchung und Diagnostik meiner Patientin empfahl ich ihr eine maßgeschneiderte Hormontherapie, um die Symptome ihrer Wechseljahresbeschwerden zu lindern. In einem ausführlichen Gespräch klärte ich sie über die Vorteile und Risiken auf. Ich wies sie auf das Brustkrebsrisiko hin, das durch die Hormontherapie gering ansteigt. Andererseits sinken das Darmkrebsrisiko und die Gefahr von Osteoporose dauerhaft.

Meine Patientin nahm über einen Zeitraum von acht Wochen die maßgeschneiderte Hormongabe ein. Danach erschien sie erneut zu einem Kontrolltermin bei mir und war wie ausgewechselt. Ihre Lebensfreude war zurück. Endlich konnte sie wieder aktiv am Leben teilnehmen und auch die Zweisamkeit mit ihrem Ehemann in vollen Zügen genießen.