14.09.2022 Arzt-Kolumne

Warum Kinder schlafwandeln oder Alpträume haben

Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen.
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen. Fotoquelle: privat

"Vor einigen Tagen hat unser Sohn uns einen sehr großen Schrecken eingejagt: Er lief von uns unbemerkt im Schlaf auf den Balkon. Eine Nachbarin sah ihn dort liegen und verständigte uns. Was können wir tun, dass so etwas nicht noch einmal passiert und er nicht verunglückt?", fragte mich der besorgte Vater eines Zehnjährigen kürzlich in meiner Sprechstunde.

"Auf keinen Fall plötzlich wecken", erklärte ich ihm. Denn Schlafwandler befinden sich im Tiefschlaf. Das plötzliche Erwachen kann gefährlich sein, wenn sie sich gerade auf einem Balkon oder auf einer Treppe befinden. "Führen Sie Ihren Sohn beim nächsten Mal einfach sanft wieder in Richtung Bett. Dort wird er wahrscheinlich weiterschlafen. Bei häufigem Schlafwandeln sollten Sie Fenster und Türen abschließen und Möbelkanten, scharfe Gegenstände und Ähnliches absichern", riet ich den Eltern.

Vorbeugend helfen gegen Schlafwandeln feste Einschlafrituale, regelmäßiger und ausreichender Schlaf, ebenso Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Eine gute Schlafhygiene und Entspannung helfen übrigens auch gegen quälende Alpträume, die viele Kinder immer wieder heimsuchen. Wenn Kinder unter Stress und Konflikten in der Schule leiden, ist es wichtig, dass Sie mit ihnen darüber sprechen, dass die Kinder merken, dass Sie hinter ihnen stehen. Oft kann beispielsweise auch der schulpsychologische Dienst helfen.

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Ein paar Wochen später berichteten mir die Eltern, dass sich das Schlafwandeln nicht mehr wiederholt habe. Ich war erleichtert, denn nicht immer handelt es sich bei dem nächtlichen "Herumgeistern" auch tatsächlich um Schlafwandeln. So treten zum Beispiel bestimmte Formen der Epilepsie vor allem nachts auf. Solche Anfälle können mit Schlafwandeln verwechselt werden und müssen behandelt werden. Im Fall meines Patienten hat wahrscheinlich ein regelmäßiger Schlafrhythmus dazu geführt, dass der Junge nun entspannt ohne Schlafwandeln und auch ohne Alpträume durchschläft.

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