Obwohl wir ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen verbringen, schenken die meisten Menschen dem Schlaf wenig Aufmerksamkeit. Selbst in der Medizin war die Physiologie des Schlafes lange kein Forschungsgegenstand. Erst 1953 wurde entdeckt, dass Schlaf aus unterschiedlichen Schlafphasen besteht.

Die Bedeutung der Schlafforschung nimmt allerdings rasant zu, denn insbesondere durch Schichtarbeit, ständige Erreichbarkeit, künstliche Beleuchtung, Lärm, aber auch durch Übergewicht sowie Nebenwirkungen von Medikamenten und Alkoholkonsum sind Schlafstörungen das zweithäufigste Symptom geworden, das Patienten in Hausarztpraxen beklagen. Die spannende Frage ist, wie viel ungestörten Schlaf wir brauchen und welche Erholungsfunktionen im Schlaf erfolgen.

Viele Europäer glauben, wir hätten durch unseren Arbeitseifer zu wenig Schlaf. Neueste Forschungen bei Naturvölkern verschiedener Kontinente zeigen, dass diese mit 6,5 Stunden auskommen, während wir uns nach mehr als sieben Stunden oft nicht erholt fühlen.

Relevant ist vor allem die Qualität

Eine Studie von G. Yetish zeigt, dass es nicht daran liegt, dass wir zu spät einschlafen. Relevant ist demnach nicht nur die Dauer, sondern vor allem die Schlaf-Qualität. Und die ist letztlich auch wichtig für die Gedächtnisbildung. Umgekehrt gehen Störungen wie Alzheimer-Demenz und Schizophrenie meist mit Schlafstörungen einher.

Erste Ansätze zur Erklärung gibt es bereits in der Forschung: Die Gedächtnisbildung geht mit der Neuverknüpfung von Nervenzellen und mit dem Abbau wenig genutzter Nervenverbindungen einher. Diese Prozesse laufen besonders im Traumschlaf ab.

Auch erfolgt im Schlaf eine "Spülung" des Gehirns durch die Hirnflüssigkeit, bei der nicht benötigte Stoffwechselabfallprodukte ausgeschwemmt werden. Wird der Schlaf zu stark gestört, wird auch die reguläre Tätigkeit des Gehirns beeinträchtigt. Für die Behandlung von Demenzen kann die Schlafforschung somit neue Ansätze liefern.