Wie können alternative Heil­methoden die Schulmedizin be­reichern? Dieser Frage geht Arzt und prisma­-Kolumnist Professor Dietrich Grönemeyer in seinem neuen Buch "Weltmedizin – Auf dem Weg zu einer ganzheit­lichen Heilkunst" nach – und liefert verblüffende Antworten.

Ärzte sind keine Halbgötter in Weiß, Schamanen keine Zauberer. Mit diesen Worten beginnt das neue Buch von Dietrich Grönemeyer. Abermals ein Werk, mit dem sich der Arzt und Bestsellerautor souverän über Tabus und Vorurteile, über Eitelkeiten und Rechthaberei hinwegsetzen will.

"Wunderheiler", schreibt er gleich auf der ersten Seite, "verdanken ihre Existenz dem Mythos, den Wunschträumen vieler Menschen in höchster Not." Und dennoch gebe es sie, "die ungelösten Rätsel wundersamer Heilung", die Geheimnisse einer "Weltmedizin", die vielfältiger nicht sein könnte. "Wie ist es möglich", fragt sich der Autor Grönemeyer, "dass Menschen gesund werden, nur weil ihnen ein Arzt die Hand auflegt? Wie gelingt es magisch geschminkten 'Zauberern', Knochen ohne Schiene oder Gips zu heilen? Wie bringen sie es zuwege, operative Eingriffe ohne die uns bekannten Methoden der Anästhesie schmerzfrei auszuführen?"

Zeitreise zu den alten Ägyptern

Um das alles und mehr noch herauszufinden, hat sich Dietrich Grönemeyer auf eine Zeitreise durch die Jahrtausende der Medizingeschichte begeben. Er nimmt seine Leser mit in die "Operationssäle" der alten Ägypter, zu den Römern und den Mayas. Mit den historischen verbinden sich die gegenwärtigen Ein-drücke, wenn Grönemeyer von seinen Expeditionen in den Himalaya, nach Hawaii, nach Afrika oder Indien berichtet.

Blick über den Tellerrand

Überall trifft er auf Heilkundige, auf Medizinmänner und -frauen, die noch aus dem Erfahrungsschatz ihrer Vorfahren schöpfen. Mit einfachsten Mitteln, zum Beispiel durch das bloße Fühlen des Pulses, gelangen sie zu Diagnosen, die die moderne Gerätemedizin kaum genauer erstellen könnte. Wo er auch hinkommt, in den Kräuterapotheken der traditionellen chinesischen, indischen oder der tibetischen Medizin, überall stößt Dietrich Grönemeyer auf ein naturheilkundiges Wissen, dem die westliche Schulmedizin viel zu lange viel zu wenig Beachtung schenkte, wenn sie das Althergebrachte nicht gleich über Bord warf. Dabei stimmt er aber auch nie den Chor derer ein, die sich alles Heil von Globuli und warmen Bädern versprechen. "Der faule Zauber der Esoteriker" ist ihm ebenso suspekt wie "die naturwissenschaftliche Fixierung jener Fachärzte, die glauben, der menschliche Körper ließe sich Organ für Organ durchreparieren", bis hin zu der bereits in Aussicht genommen Transplantation eines Kopfes samt Gehirn. Auch dagegen entwirft Dietrich Grönemeyer die Vision einer "Weltmedizin", "die das ärztliche Wissen aller Kulturen, das überlieferte und das neue, zu einer humanen Humanmedizin der Zukunft vereint".

Denn, so das Fazit von Dietrich Grönemeyer: "Jede Schule hat ihre Berechtigung, sofern ihre Methoden heilsam sind. Weil mir das im Laufe meines Lebens als praktizierender Arzt immer klarer geworden ist, habe ich den Begriff der 'Weltmedizin' geprägt: ein integrativer Ansatz zur Weiterentwicklung der Schulmedizin."