01.06.2021 Arzt-Kolumne

Wenn Kinder nicht essen wollen

Von Melanie Ahaus
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen.
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen. Fotoquelle: privat

"Nino macht beim Essen nur noch Theater, sagt grundsätzlich, er habe keinen Hunger. Und wenn, dann will er nur Nudeln ohne alles", beklagte sich kürzlich die 32-jährige Mutter eines putzmunteren Fünfjährigen in meiner Sprechstunde. Das Kind war altersgemäß entwickelt, munter, rosig und normalgewichtig.

"Kein Grund zur Sorge", beruhigte ich die besorgte Mutter. Im Vorschulalter sind viele Kinder sehr eigen in ihrem Essverhalten. Manche wollen bei den Familienmahlzeiten nichts oder nur bestimmte Lebensmittel essen, vor allem aber nichts Neues ausprobieren.

"Aber ich befürchte, das ist schlecht für seine Entwicklung. Mit ist es sehr wichtig, dass sich mein Sohn gesund ernährt. Bei unseren Mahlzeiten gibt es deshalb öfter Streit mit ihm", wandte die Mutter ein.

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So wie dieser Familie geht es vielen Eltern. Wenn das Kind nicht essen will oder nur ganz bestimmte Lebensmittel möchte, geraten Mahlzeiten in vielen Familien regelrecht zu Machtproben. Das ist für alle belastend. Ich gab der Mutter von Nino deshalb den folgenden Tipp: "Arbeiten Sie weder mit Strafen noch mit Belohnungen. Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen, auch wenn Ihnen die gegessene Menge zu gering vorkommt. Versuchen Sie, möglichst gelassen zu bleiben und das Essverhalten ihres Sohnes nicht zu thematisieren."

Konkret bedeutet das: Eltern müssen ihrem Kind keine "Extrawürste" zubereiten, aber sie können Vereinbarungen mit dem Kind treffen. Zum Beispiel, dass es sich die Dinge vom Familientisch nimmt, die es mag, wie etwa Nudeln, und die anderen, wie Salat, Tomatensoße oder Fleisch, liegenlässt. "Und bitte versuchen Sie, das als Mutter zu akzeptieren, ohne zu streiten", gab ich der 32-Jährigen noch als Erziehungstipp mit auf den Weg.

Eltern sollten sich keine allzu großen Sorgen machen, wenn die Kinder eine Zeit lang einseitig oder nur kleine Mengen essen wollen. "Seltsames Essverhalten im Kleinkindalter ist noch keine Essstörung und bedeutet auch nicht, dass Ihr Kind später eine entwickelt", beruhigte ich die Mutter von Nino. Wenn die Erwachsenen selbst Freude am Essen haben, wird das Kind irgendwann auch diese Freude entwickeln.

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