Wolfgang Stemer ist Pilates-Trainer, Shiatsu-Praktiker und Qigong-Lehrer. Im Interview erklärt er, was Meridian-Yoga ist und worauf man beim Training mithilfe von Videos achten muss.

Herr Stemer, für wen eignet sich das Meridian-Yoga und was ist sein Ziel?

Das Meridian-Yoga ist eine Mischung aus Übungen des japanischen Do-In und Yoga. Das Alter spielt dabei keine Rolle, auch das Fitnesslevel ist egal. Die Übungsreihe hat als Ziel, die Organe durch die Aktivierung der Lebensenergie zu stärken (in der traditionellen chinesischen Medizin als Qi bezeichnet), die durch die Meridiane fließt, die alle Organe und Strukturen des Körpers miteinander verbinden. Dazu nehmen wir Haltungen ein, die Blockierungen auf diesen Meridianen auflösen. Meridian-Yoga will Sie aber auch beweglicher machen. Gleichzeitig bauen Sie eine innere Kraft auf. Zudem bringen wir durch bewusstes Atmen Körper und Geist wieder zusammen. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Entspannung und Vitalität.

Im Netz gibt es unzählige Video-Angebote zu Yoga, Pilates und mehr. Woran erkenne ich einen seriösen "Anbieter"?

Das ist sehr schwierig, denn der Schein trügt oft. Ein wichtiges Kriterium ist für mich, wie Übungen erklärt werden. Je besser jemand mit seinem Fach vertraut ist, umso besser und genauer wird er Sie anleiten. Deshalb bezeichnen wir in unserem Team das Gegenteil davon, gerne als "Hüpfchannel". Da macht jemand, meistens ein attraktives Wesen des männlichen oder weiblichen Geschlechts, ein Workout vor und erklärt dazu sehr wenig, auf was es zu achten gilt. Das ist vor allem für Anfänger recht problematisch, weil sich so Fehler einschleichen und man sich im schlimmsten Falle sogar verletzen kann. Wie lange ein Anbieter seine Sache schon macht, ist für mich ebenfalls ein Kriterium. Es garantiert zwar noch keine Qualität, aber da die Produktion von guten Videos doch sehr zeitaufwendig ist, fallen Anbieter, die nicht vom Publikum angenommen werden, sehr schnell weg.

Lässt sich Yoga in Videoform überhaupt fehlerfrei erlernen? Und: Wie beuge ich Verletzungen oder dauerhaften Schäden vor?

Ich bin durchaus der Meinung, dass es möglich ist, Yoga oder andere Gymnastikdisziplinen in Videoform fehlerfrei zu lernen, wobei ich nicht den Wert eines persönlichen Trainings in Frage stellen möchte. Allerdings ist das einfach nicht für jeden möglich. Deshalb war es uns nie ein Anliegen, ein persönliches Training zu ersetzen, sondern diesem so nahe wie möglich zu kommen, in dem wir unsere Übungen sehr genau erklären und das auch mit grafischen Elementen unterstützen. Damit alles richtig gemacht wird, empfehle ich, zumindest die ersten paar Monate immer mit Video zu trainieren. Wenn die Übungen sitzen, kann man das Training dann auch selbstständig ausführen. Allerdings ist es immer wieder wichtig, zu dem Video zurückzukehren, um eventu-elle Fehler, die sich eingeschlichen haben, auszumerzen. Um Verletzungen oder anderen Schäden vorzubeugen, ist Selbstkontrolle sehr wichtig. Uns ist es ein besonderes Anliegen, dass unsere Zuseher ein besseres Körpergefühl entwickeln, damit sie auf Signale des Körpers besser reagieren können. Unser Körper sagt uns sehr genau, was sich gut anfühlt und was nicht. Aber wir müssen lernen, den Leistungsgedanken wegzulassen und uns wieder ganz bewusst von innen her zu spüren. Es darf während des Trainings kein Schmerz auftreten. Eine Dehnung muss sich immer noch gut anfühlen. Machen Sie es genau nach unserer Anleitung. Sollte das Problem sich nicht auflösen, dann konsultieren Sie uns oder fragen einen erfahrenen Therapeuten in Ihrer Nähe, damit er Ihnen helfen kann.