01.02.2021 Arzt-Kolumne

Wie gefährlich ist eine Herzklappen-OP im Alter?

Von Steffen Schön
Prof. Dr. Steffen Schön ist Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pulmologie und internistische Intensivmedizin sowie Ärztlicher Direktor am Helios-Klinikum Pirna.
Prof. Dr. Steffen Schön ist Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pulmologie und internistische Intensivmedizin sowie Ärztlicher Direktor am Helios-Klinikum Pirna. Fotoquelle: Volker Metzler

Eine Herzklappenoperation war noch bis vor 15 Jahren in der Regel mit der Öffnung des Brustkorbs verbunden. Das hat sich mittlerweile geändert. Inzwischen gibt es als Option zur offenen Operation die weitaus schonendere perkutane Herzklappenreparatur. Sie ist besonders geeignet für ältere, selbst hochbetagte Patientinnen und Patienten, vor allem, wenn ein höheres Operationsrisiko durch Begleiterkrankungen gegeben ist. Bei der perkutanen Methode wird minimalinvasiv über die Leiste ein Katheter als Reparaturinstrument bis zum Herzen geschoben.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein 79-jähriger Patient, der sich trotz Diabetes und Nierenschwäche noch vor Kurzem rüstig und fit gefühlt hatte und mit seinem Enkel Radausflüge machen konnte. "Mir fiel diese sportliche Betätigung plötzlich schwer, ich bekam schnell Luftnot, meine Beine waren angeschwollen, und mein Bauch fühlte sich prall an", beschrieb er mir seinen Zustand. Sein Hausarzt überwies ihn nach eingehender Untersuchung zu uns. Die Diagnose ergab, dass eine seiner Herzklappen nicht mehr richtig schloss.

Die vier Herzklappen sind wie Ventile. Wenn sie geschädigt sind, kann aufgrund einer Verengung (Stenose) der Blutstrom nicht mehr ungehindert durchs Herz fließen, oder sie sind undicht (Insuffizienz). Dann schließt die Herzklappe nicht richtig, und das Blut kann in die falsche Richtung zurückfließen. Eine Erkrankung der Herzklappen kann zum Beispiel durch Entzündungen oder Verkalkungen der Herzklappen, aber auch durch eine Infektion des Herzmuskels oder als Folge eines Herzinfarktes entstehen.

HALLO WOCHENENDE!
Noch mehr TV- und Streaming-Tipps, Promi-Interviews und attraktive Gewinnspiele: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Zunächst können zur Behandlung von Herzklappenerkrankungen verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Ist die Erkrankung wie bei meinem beschriebenen Patienten jedoch schon fortgeschritten, kommt eine operative Therapie, oder bei Patienten mit hohem Operationsrisiko, die Reparatur über die Leiste im Herzkatheterlabor infrage. Wir konnten die undichte Mitralklappe des Patienten mit Clips durch das minimalinvasive Verfahren verschließen. Auch eine verengte Aortenklappe kann heutzutage durch einen Klappenersatz über die Leiste bereits bei vielen Patienten kuriert werden.

Das könnte Sie auch interessieren