23.11.2020 Arzt-Kolumne

Wie viel Bildschirmzeit für Kinder?

Von Melanie Ahaus
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen.
Dr. Melanie Ahaus ist niedergelassene Kinder- und Jugendärztin in Leipzig und Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen.  Fotoquelle: privat

Fast jeden Tag klagen mir Eltern ihr Leid: "Unser Kind hängt von morgens bis abends am Handy – und zwischendurch daddelt es am Computer." Erst vor wenigen Tagen berichtete mir ein Vater: "Mein Sohn surft, chattet und spielt – sogar während der Hausaufgabenzeit und abends im Bett."

Ich kann die Sorgen der Eltern gut verstehen. Sie befürchten, dass ihre Kinder über die digitalen Medien alles andere vergessen, Hausaufgaben, gemeinsame Mahlzeiten und Hobbys, in der Schule abfallen und spielsüchtig werden. Von pauschalen Verboten rate ich jedoch ab. Mein Tipp: Schauen Sie zunächst, wie viel Zeit Ihr Kind insgesamt vor Bildschirmen verbringt, also vor Tablets, Handy, TV und Spielekonsole. Vereinbaren Sie dann Zeitkontingente. Sinnvoll ist beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Stunden pro Woche, die sich Ihr Kind flexibel und eigenverantwortlich einteilen kann – und die Sie dann auch kontrollieren.

Mit der Wirkung elektronischer Medien auf Kinder und Jugendliche beschäftigen sich viele Wissenschaftler und auch wir Kinder- und Jugendärzte.

Die folgenden Bildschirmzeiten sind Mittelwerte aus verschiedenen Empfehlungen:

  • 0-3 Jahre: am besten gar nicht
  • 3-6 Jahre: 30 Minuten/Tag
  • 6-9 Jahre: 60 Minuten/Tag
  • ab 10 Jahre: individuell zu verhandeln, da jetzt auch der Computer für die Schule genutzt wird.

Ausreichend Zeit für Schule, Sport und Hobbys sollten in jedem Fall bleiben. Planen Sie auch aktiv mit Ihrem Kind „Familienzeit“: gemeinsame Ausflüge, Spielenachmittage und mehr. Beim Essen, bei den Hausaufgaben und vor dem Schlafen bleiben Handy und Co. ausgeschaltet. Solche Regeln funktionieren natürlich nur, wenn Sie selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Gehen Sie also auch mit Ihren eigenen

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