15.06.2020 Arzt-Kolumne

Zahnherd: Der verborgene "Krankmacher"

Von Jochen H. Schmidt
Dr. Jochen H. Schmidt ist zahnärztlicher Leiter des Carree Dental in Köln. Er besitzt den "Master of Science in Oral Implantology and Surgery".
Dr. Jochen H. Schmidt ist zahnärztlicher Leiter des Carree Dental in Köln. Er besitzt den "Master of Science in Oral Implantology and Surgery". Fotoquelle: privat

"Können die Zähne wirklich Kreislauf, Bandscheiben oder Gelenke krank machen?" – diese Frage stellte mir kürzlich eine 62-jährige Patientin, die seit Monaten unter unerklärlichen Knieschmerzen litt. Was viele nicht vermuten: In manchen Fällen kann ein "Zahnherd" in der Tat Auslöser anhaltender organischer Beschwerden sein. Lassen sich diese nicht fachärztlich klären, so sollte man ihnen deshalb buchstäblich "auf den Zahn fühlen".

Verursacht werden die chronischen Entzündungsprozesse durch bakterielle Infektionen im Kieferbereich, vielfach durch abgestorbene, "tote" Zähne oder defekte Zahnfüllungen. Selbst wenn rund um den betreffenden Zahn nichts – etwa durch Schmerzen oder Schwellungen – auf eine Erkrankung hinweist, bergen die dentalen Störfelder ein nicht zu unterschätzendes gesundheitliches Risiko für Immunsystem und Organe. Über die Mundhöhle beziehungsweise die Blut- und Lymphbahn können die Giftstoffe in den Körper gelangen und dort Entzündungen hervorrufen. In manchen Fällen sind massive Erkrankungen wie etwa Bandscheibenprobleme, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenentzündungen sowie Rheuma oder Schulter- und Nackenschmerzen die Folge.

Naturheilkundler betonen schon lange die Wechselbeziehung zwischen Zähnen und Organen. So stehen Niere und Blase nach ihren Erkenntnissen beispielsweise mit den Schneidezähnen in Verbindung, die Weisheitszähne mit Herz und Kreislauf. Und der Eckzahn gilt als "Augenzahn". Da ein Zahnherd selten direkte Beschwerden verursacht, ist eine Diagnose schwierig – vor allem im Anfangsstadium. Selbst bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bleibt er meist verborgen. Nicht selten wird das dentale Störfeld erst Jahre später entdeckt.

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Klarheit bringen röntgenologische Untersuchungen oder spezielle 3-D-Röntgenaufnahmen. Weisen diese, wie im Fall der erwähnten Patientin, auf einen abgestorbenen Zahn oder etwa eine entzündete Wurzel als Ursache des Zahnherds hin, so rät der Zahnarzt in der Regel zu einer Wurzelkanalbehandlung oder Zahnentfernung.

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