Zugegeben, auch ich erliege hin und wieder der Versuchung, zwischendurch schnell einen gesunden, frischen Smoothie runterzustürzen, wenn ich unterwegs bin.

Pure Vitamine, fein zerteiltes Fruchtfleisch und Gemüse, ein großer Schluck Vitalität, Gesundheit und Natürlichkeit, ohne Arbeit, ohne Zeitverlust. Sehr verlockend. Und ein Smoothie ist ja immerhin gesünder als ein Schoko- oder Müsliriegel. Soweit also die Vorteile.

Doch andererseits beschleicht mich ein Unbehagen. "Damit sie auch morgen noch kräftig zubeißen können" lautete mal eine Zahnpasta-Werbung. Sie lief in grauer Urzeit, als sich Vitalität noch mit einem krachenden Biss in einen Apfel beweisen ließ. Das war einmal. Heute müssen wir uns zwischen Babyflasche und Schnabeltasse nicht mehr umgewöhnen.

Infektanfälligkeit wird herabgesetzt

Denn überall wird alles im Mixer geschreddert – Wirsing, Grünkohl, Banane, Salat, Minze und Granatapfel – jede Kombination ist möglich! Unser Kauapparat ist nur noch für das Kaugummi da. Schade. Denn gründliches Kauen fester Nahrung lockert die durch zu viel Stress verkrampften Kaumuskeln und beruhigt damit die Seele, es stimuliert die Speichelsekretion mit ihrer Kohlenhydrat aufspaltenden Enzym-Amylase, steigert die Durchblutung der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches. Dadurch wird die Infektanfälligkeit in diesem Bereich herabgesetzt.

Aber das Wichtigste ist die Stärkung des Zahnhalteapparates. Mit mikroskopisch feinen Bindegewebsfasern sind die Zähne im Knochen verankert. Beim Kauen werden Druck- und Zugkräfte in rhythmischem Wechsel auf die Fasern und den Knochen ausgeübt, was seine Festigung anregt und dem Zahnverlust vorbeugt.

Der reiche Genuss des Essens

Was wir noch haben vom Kauen: intensiven Kontakt der Nahrungsbestandteile mit den Geschmacksknospen der Zunge, die Freisetzung von Aromen, die in der Nase wahrgenommen werden, der ganze der ganze reiche Genuss des Essens entfaltet sich beim Kauen. Zurück also zur Kaukultur und guten Appetit!