Im vierten Teil unserer prisma-Serie geht es um Senioren am Steuer. Freiwillige Fahrtests können Stärken und Schwächen offenbaren.

Stellen ältere Autofahrer ein Sicherheitsrisiko dar? Diese Diskussion beschäftigt Verkehrsexperten seit Jahren. Eine rechtliche Grundlage, Menschen ab einem bestimmten Alter generell die Fahrtauglichkeit abzusprechen, gibt es nicht. Unbestritten lassen aber die Sehstärke sowie das Hör- und Reaktionsvermögen mit zunehmendem Alter nach.

Als Hochrisikogruppe gilt Statistiken zufolge die Gruppe der über 75-Jährigen. "Gemessen an der Zahl der gefahrenen Kilometer verursachen Senioren in dieser Altersgruppe mehr tödliche Unfälle als Fahranfänger. Das ist ein gravierendes Problem, das mit dem demografischen Wandel weiter zunehmen wird", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Problematisch sei häufig auch die fehlende Selbsterkenntnis. "Viele Senioren sind von ihrem fahrerischen Können überzeugt. Auch wenn die Erfahrung am Steuer sicherlich eine Rolle spielt: Die Fähigkeit, Informationen schnell zu verarbeiten, lässt im Alter eben nach. Da helfen auch keine Medikamente."

Der Unfallforscher empfiehlt daher Menschen ab 75 Jahren eine freiwillige Kontrollfahrt: "Das kann mit einem Fahrlehrer sein oder auch mit einem Bekannten. Innerhalb der Familie liegt die Hemmschwelle zur Kritik meist hoch." Nach einer solchen Fahrt könne der Begleiter dem Betroffenen eine Einschätzung geben, wie sicher er sich im Straßenverkehr bewegt und in welchen Situationen es kritisch wird. "Wenn zum Beispiel die bekannten Wege sicher bewältigt werden, andere Strecken oder etwa große Kreuzungen aber für Unsicherheit sorgen, wäre die Empfehlung, diese kritischen Verkehrssituationen zu umgehen", erklärt Brockmann. Ihm gehe es um die realistische Selbsteinschätzung. "Ich sehe das als Hilfe zur Selbsthilfe. Niemand soll nur aufgrund seines Alters den Führerschein abgeben müssen."

Technische Helfer

Intelligente Technik in modernen Fahrzeugen sorgt für zusätzliche Hilfestellung und mehr Sicherheit am Steuer. Ergonomische Sitze, ein höhen- und längenverstellbares Lenkrad oder elektrisch verstellbare Außenspiegel garantieren, dass auch bei Bewegungseinschränkungen alle Bedienelemente optimal auf den Fahrer eingestellt werden können. Viele Neuwagen erkennen Gefahrensituationen schneller, als der Mensch sie erfassen kann. Intelligente Abstandskontrolle, Spurhaltesysteme, Einparkassistenten, Tempoanpassung, Notbremsprogramme oder Wetterwarnhinweise entlasten den Fahrer – blind zu trauen ist ihnen allerdings nicht. Um die Technik in einem neuen Auto kennenzulernen und einschätzen zu können, empfiehlt sich ein Fahrsicherheitstraining.

Aktiv sein hilft

Um die Fahrtauglichkeit aktiv zu erhalten, ist ein regelmäßiger Gesundheitscheck sinnvoll. Zu den wichtigsten Untersuchungen für eine sichere Verkehrsteilnahme gehören Seh- und Hörtests sowie engmaschige Kontrollen bei chronischen Erkrankungen. Mediziner klären zudem über mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten auf. Auch Sporttreiben kann sich positiv auf das Autofahren auswirken und bei plötzlichen Ausweich- oder Bremsmanövern die erforderliche Kraft und Beweglichkeit garantieren. Gegen eine nachlassende Reaktionsfähigkeit ist kein Kraut gewachsen, aber mentales Training hilft, die Informationsverarbeitung zu schulen. Dies kann in Gefahrensituationen wichtige Sekundenbruchteile mehr Reaktionszeit bringen.