"Der unsichtbare Feind"

Doku zeigt Angst vor zweiter Corona-Welle: "Es war fast wie im Krieg"

von Sarah Kohlberger

Die Corona-Krise ist noch längst nicht überstanden, auch wenn man mancherorts diesen Eindruck bekommen könnte. Eine Doku von "Frontal 21" zeigt nun Menschen, die COVID-19 in den letzten Monaten besonders hart traf – direkt und indirekt.

Das erste Halbjahr 2020 war geprägt von der Corona-Pandemie, die nach wie vor weite Teile der Erde fest im Klammergriff hält. In den USA steigt die Anzahl der infizierten Menschen weiter an, in Südamerika wächst die Zahl der Todesopfer am schnellsten. Anders als in Deutschland: Die Zahl der Neuinfektionen nimmt hierzulande stetig ab, und die Corona-Regeln werden nach und nach gelockert. Doch was hat COVID-19 mit und aus Deutschland gemacht? Hans Koberstein und Anna Feist zeigen in der "Frontal 21"-Dokumentation "Der unsichtbare Feind – Leben und Sterben mit dem Coronavirus", wo genau sich der mächtige Gegner in den letzten vier Monaten besonders bemerkbar gemacht hat und wie die Angst vor einer Erkrankung und einer zweiten Welle den Alltag vieler beherrscht.

Die Filmemacher treffen in dem hochinteressanten Beitrag, den das ZDF am Dienstag, 14. Juli, 21.00 Uhr, ausstrahlt, auf verschiedene Menschen, die direkt oder indirekt von COVID-19 betroffen waren. Eine Frage, die sie sich stellten, lautete nach eigener Auskunft: "Wie geht man mit Schutzbedürftigen um, wenn sich alle locker machen?"

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Zu Wort kommt in dem Beitrag auch der Italiener Felice Perani – er stammt aus Bergamo, einem einstigen Epizentrum der Pandemie. "Auf dem Friedhof von Bergamo stapelten sich die Särge. Die Menschen, die gestorben sind, starben alleine, isoliert, ohne Beerdigung", berichtet Perani. "Es war fast wie im Krieg." Er selbst erkrankte ebenfalls an COVID-19 und wurde Ende März mit drei anderen Patienten ins Universitätsklinikum Leipzig geflogen. Sein Zustand war kritisch. Er war der Einzige, der überlebte. Noch heute schmerzen ihm seine Beine und seine Füße, sagt er.

Dass Corona noch lange nicht vorbei ist, zeigt Risikopatientin Franziska Knost. Sie lebt mit der ständigen Angst, sich anzustecken. Während sich ihre Freunde wieder treffen können, hält sie weiterhin Abstand. Die Synchronsprecherin ist an Lymphdrüsenkrebs erkrankt – eine Corona-Infizierung könnte für sie schwer verlaufen. In der Hoffnung auf Immunität machte Knost einen Antikörpertest – doch er war negativ. "Auf der Ebene jetzt erst mal keine Erleichterung, sondern alles beim Alten. So sieht's aus", resümiert sie schulterzuckend. Die Angst wird ihr bleiben.

Zweiter Lockdown könnte schwierig zu vermitteln sein

Überhaupt die Angst. Sie beherrscht auch Alten- und Pflegeheime nach wie vor. Stationsleiterin Vessela Kulms aus dem Heidelberger Seniorenwohnheim Mathilde-Vogt-Haus beschreibt im Film, wie die Bewohner auf die langen Besuchsverbote reagiert haben. "Nach neun Wochen hat man gemerkt: Bei vielen Leuten hat es angefangen, an der Psyche zu kratzen." Viele klagten über Phantomschmerzen.

Doch das Verbot war nötig: In einem privaten Altenheim in Bramsche in Osnabrück sind 22 von 42 Infizierten verstorben. "Sollte noch einmal ein Lockdown kommen, es wird um einiges schwieriger, das noch mal durchzuziehen", prognostiziert Kulms.

Anna Kebschull, Landrätin von Osnabrück, stellt den Filmemachern die Ermittlerin Laura Schulte vor, die daran arbeitet, die Kontakte von Erkrankten festzustellen und diese in Quarantäne zu schicken. Für einen Patienten braucht sie etwa zwei bis drei Tage – werden es 100 Betroffene, kommen die Ermittler nicht mehr hinterher. "Sie sind die Detektive, die das Virus aufspüren und in Schach halten. Und wenn wir die nicht haben, dann macht das Virus, was es will", beschreibt Kebschull. Die Computerausrüstung des Krisenstabs in Osnabrück ist noch griffbereit, falls sich das Virus wieder schneller verbreiten sollte. Doch was eine zweite Welle tatsächlich anrichten würde, vermag sich niemand vorzustellen.

Die Macher beschreiben die Situation so: "Der weitere Verlauf der Pandemie wird davon abhängen, ob Infektionsfälle schnell erkannt werden und in Quarantäne kommen. Doch bisher herrscht vielerorts Zuständigkeitschaos: zu wenig Tests, fehlende Informationen, überforderte Hotlines, keine ärztliche Nachsorge." Es bleibt spannend, und die Angst wird wohl noch lange Zeit dazu gehören.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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