13.07.2020 Wotan Wilke Möhring im Interview

"Eine Blaupause für das, was geschah"

Richard (Wotan Wilke Möhring) sucht verzweifelt nach seiner Tochter.
Richard (Wotan Wilke Möhring) sucht verzweifelt nach seiner Tochter.  Fotoquelle: Stefan Erhard / ZDF

Vergangenen Herbst drehte das ZDF eine Serie über eine Pandemie. Ein paar Monate später brach das Coronavirus aus. Darsteller Wotan Wilke Möhring hat prisma verraten, wie es sich anfühlt, wenn die Realität dem Drehbuch auf einmal dramatisch nahe kommt.

Wie ist es, wenn man von September bis November eine Serie über eine Pandemie dreht und dann im März tatsächlich eine ausbricht?

Wotan Wilke Möhring: Total verrückt. Ich habe auch schon mal einen Tatort gehabt, bei dessen Dreh wir ein bisschen von der Realität überholt wurden, aber nicht so. Da gibt es eine fiktive Geschichte, die auf einmal Realität wird, da fängt man schon an, über hellseherische Fähigkeiten nachzudenken. Das hat uns alle überrascht – und das ZDF hat extra mit der Ausstrahlung gewartet, damit da niemand was vermischt. Sonst hätte man am Ende eingeschaltet und gedacht, da läuft eine Doku.

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Als die Corona-Krise begann – galt Ihr erster Gedanke da Sløborn?

Natürlich. Und ich hätte die Serie auch sofort rausgehauen, das war ja wie eine Blaupause für das, was dann wirklich geschah. Und bei jeder Entwicklung habe ich gedacht: Das ist ja wie bei Sløborn. Aber da war ich ja nicht alleine. Viele sagten: Das ist ja wie im Film, nur, dass unser Film, beziehungsweise unsere Serie, auf einmal wie die Wirklichkeit war.

Meinen Sie, dass wenn man Sløborn heute drehen würde, man dann anders vorgehen würde?

Ich weiß gar nicht, ob man es überhaupt jetzt drehen würde. Das würde dann in einem halben Jahr erscheinen – und man muss sich fragen, ob die Menschen das dann überhaupt sehen wollen, oder genug davon haben, weil sie so viel Pandemie-Nachrichten gehört und gesehen haben. Es ist die Frage, ob es dann überhaupt noch etwas zu erzählen gibt.

Welche Auswirkungen hat Corona auf Sie? Wurden Drehs gestoppt?

Ja. Wir waren in München, wo wir einen Film gedreht haben. Der wurde gestoppt, es hat alles gedauert, wir wurden getestet und dann ging es weiter. Aber auch anders. Jeden Morgen war Fiebermessen angesagt – wie mit vor den Kopf gehaltener Pistole. Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht. Und wann sich jemand traut, den ersten Film mit Masken zu erzählen, statt die Drehbücher nur so umzuschreiben, dass die Darsteller nicht eng zusammenstehen.

Wären Sie bei so einem Film dabei?

Das muss nicht sein. Als Schauspieler willst du, dass der Zuschauer dein Gesicht sieht.

Zurück zu den Zeiten vor Corona: Wie war der Dreh für Sløborn? Wie hat Ihnen Ihre Rolle des Richard Kern gefallen?

In der Konstellation hatte ich schon mehrere Rollen und kannte viele Kollegen, unter anderem auch Emily Kusche. Ich glaube, mittlerweile habe ich schon dreimal ihren Vater gespielt, das war also vertrautes Terrain. Bei Richard Kern gefällt mir die Ambivalenz. Eigentlich ist er der einfache Tierarzt. Aber dahinter liegt noch ein Geheimnis, das dafür sorgt, dass die Serie in einem Cliffhanger endet, der in der zweiten Staffel aufgelöst werden kann.

Also wird es eine zweite Staffel geben?

Ja. Die ist geplant und kurz vor der Realisierung.

Ihre Serien-Tochter Evelin ist schwanger. Macht man sich da Gedanken, wie man damit umgehen würde, falls die eigenen Kinder in so eine Situation geraten?

Auf jeden Fall. Ich denke, das ist alles andere als einfach. Am wichtigsten ist, dass das Kind Vertrauen in seine Eltern hat und es erzählt, wenn es Probleme gibt.

Während des Lockdown haben Sie auf Instagram einen Einblick in Ihr Leben mit den Kindern und Homeschooling gegeben. Das wirkt sehr idyllisch. War das wirklich immer so schön?

Ja, tatsächlich. Es liegt ein verlustreiches Jahr vor mir, alles brach durch Corona weg, und da Schauspieler bedauernswerterweise nicht zu den systemrelevanten Berufen gezählt werden, wissen viele von uns noch nicht, wie es weitergehen wird. Trotzdem habe ich die Zeit als Privileg genossen. Ich hatte Platz, Zeit und nicht nur eins, sondern drei Kinder, die sich auch miteinander beschäftigen konnten. Man sagt oft, dass man gerne die Zeit anhalten würde. Das hat sich so angefühlt. Wir haben die Zeit gut genutzt. Ich habe mich in die schulische Materie eingearbeitet und weiß jetzt, wo sie stehen, was gut funktioniert und wo es hakt – so stark beschäftigt man sich damit sonst nicht. Ich werde das in guter Erinnerung behalten.

Dann mal der Blick nach vorne: Was kommt nach Sløborn?

Erst mal machen wir hoffentlich Urlaub in Österreich. Nach den Sommerferien fängt der Tatort-Dreh wieder an, und dann ist auch irgendwann Staffel 2 von Sløborn dran.

Sløborn, Donnerstag und Freitag, 23. und 24. Juli, ab 20.15 Uhr, jeweils vier Folgen, ZDF Neo, und ab Donnerstag, 23. Juli, in der ZDF Mediathek.

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