Komödie in der ARD

"Ein Schotte macht noch keinen Sommer": makaberes Vergnügen

von Andreas Günther

Der Opa wird 75, sein Sohn gaukelt ihm für die Familienfeier vor, dass mit seiner Ehe alles in bester Ordnung wäre. Doch die einzigen, die verstehen, wie Opa wirklich feiern möchte, sind seine Enkel. Kindermund tut Wahrheit kund: Aus dieser Weisheit schöpft "Ein Schotte macht noch keinen Sommer" ebenso konsequent wie unterhaltsam Witz und Turbulenz.

ARD
Ein Schotte macht noch keinen Sommer
Komödie • 13.07.2020 • 00:05 Uhr

Nur gut gemeint hätten sie es, beteuern die Kinder, und so sei es doch für alle das Beste. Nicht nur die Eltern, alle Familienmitglieder sind perplex über das, was die Sprösslinge ihnen erzählen. Aber die Erwachsenen wollten ja zunächst nicht hören, was am Strand mit Opa passierte, nun dürfen sie nicht entsetzt sein. Sind sie aber. Die Polizei interessiert sich auch für den Fall, die Jugendhilfe klopft streng und besorgt an die Tür und die Medien beginnen mit Übertragungswagen den Familiensitz an der Küste Schottlands zu belagern. Nicht ungeschickt, wenngleich nach einfacher Formel, bereitet die Komödie "Ein Schotte macht noch keinen Sommer" von langer Hand ein Gagfeuerwerk und eine schreiend absurde Situation vor. Das Erste zeigt den Film von Andy Hamilton und Guy Jenkin nun als Free-TV-Premiere.

Die groß angelegte Feier zum 75. Geburtstag von Gordie McLeod (Billy Connolly) steht von Anfang an unter ungünstigen Vorzeichen. Aus Rücksicht auf den an Krebs erkrankten alten Herrn will sein Sohn Doug (David Tennant) ihm ein heiles Familienglück vorspielen, obwohl er schon seit einiger Zeit von Abi (Rosamund Pike) getrennt lebt. Nicht viel besser sieht es bei Dougs Bruder Gavin (Ben Miller) aus, dem Ausrichter des Festes. Der erfolgreiche Börsenmakler hat keinen Blick für seine verstörte Frau Margaret (Amelia Bullmore), deren Zerstörungswerk in einem Supermarkt schon auf YouTube gelandet ist.

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Am allerwenigsten anfangen kann mit dem Trubel und den Vorbereitungen für hunderte von Gästen der Jubilar selbst. Lieber als mit seinen Söhnen umgibt sich Gordie mit seinen Enkeln (Emilia Jones, Bobby Smalldridge, Lewis Davie und Harriet Turnbull). Als insbesondere zwischen Doug und Gavin die Konflikte eskalieren, verdrückt sich Gordie mit den Kleinen an seinen Lieblingsstrand, um unbehelligt Sandburgen zu bauen und in der Sonne zu dösen.

Was dann folgt, könnte als Drama empfunden werden, würde nicht längst eine pfiffige Hierarchieumkehrung Heiterkeit produzieren: Die Kinder sind die Vernünftigen, die Erwachsenen hingegen benehmen sich verantwortungslos. Konsequenterweise wird aus der Perspektive der Kinder im Namen der Wahrheit alles hinterfragt, was in der Familie so schiefläuft: Mama und Papa zoffen sich aus nichtigen Anlässen, niemand hat Zeit für sie, Onkel Gavin ist eigentlich ein fieser Banker – und keiner interessiert sich dafür, wie Opa seinen Geburtstag wirklich verbringen will.

Überhaupt Opa: Die Kinder handeln in kritischer Situation so besonnen und in gewisser Weise höchst angemessen, dass die Sache für die Erwachsenen wie ein furchtbarer Skandal aussieht, der Zuschauer als ihr einziger Zeuge es aber besser weiß. Die beiden Regisseure und Autoren Andy Hamilton und Guy Jenkin sind um haarsträubende Zuspitzungen auch nicht verlegen. Wiederkennungswerte oder neue Einsichten hat "Ein Schotte macht noch keinen Sommer" nicht. Aber für ein originelles, leicht bizarres und makabres Vergnügen reicht's, und wie nebenbei erscheint Rosamund Pike so schön wie noch nie.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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