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"Unraveling Athena": Doku über Tennis-Heldinnen trägt ziemlich dick auf

von Christopher Schmitt

Spiel, Satz und Pathos: Über 20 Ausnahme-Tennisspielerinnen zeichnen ihren Weg an die Weltspitze nach. Etwas weniger künstliche Emotionalisierung hätte "Unraveling Athena" gut getan, denn die Geschichten von Serena Williams, Angelique Kerber und Co. liefern doch für sich schon genug Emotionen.

Von den ersten Gehversuchen auf dem Tennisplatz über Akademien und Jugendturniere bis auf den heiligen Rasen von Wimbledon: In der Dokumentation "Unraveling Athena", die ab 13. Juli bei Amazon Prime Video abrufbar ist, kommen über 20 aktuelle und ehemalige Größen des Damentennis zu Wort. Gemeinsam zeichnen unter anderem Kim Clijsters und Billie Jean King ihre Sport-Karrieren nach, samt aller Entbehrungen, Höhen und Tiefen. Die Legenden gewähren einen umfassenden Blick auf das Profileben als Weltklasse-Sportlerin.

Viele schafften es aus äußerst einfachen Verhältnissen ins Rampenlicht. "Wir werden in Familien geboren und können sie nicht wählen, aber wir können unser Schicksal wählen", so Katrina Adams, Präsidentin des amerikanischen Tennis-Verbands. Bedeutungsschwangere Worte – für die viele weibliche Tennis-Stars aber tatsächlich ein gutes Beispiel sind.

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Zwar leben viele Sportdokumentationen von einer gesunden Portion Pathos, schließlich ist Sport ein durch und durch emotionales Geschäft, allerdings wird in "Unraveling Athena" etwas zu dick aufgetragen. Die überstrapazierte Metapher vom Weg, den man bis zum großen Ziel gehen muss, soll als roter Faden der Doku dienen – teilweise wird dieses Narrativ mit kitschigen Bildern, unter anderem einem Tunnel, verbildlicht. Streichermusik verstärkt diesen Effekt noch, von den vermeintlich tiefsinnigen Zitaten, unter anderem aus dem "Zauberer von Oz" sowie von Aristoteles, ganz zu schweigen.

Dabei hätte die Dokumentation diese künstliche Emotionalisierung überhaupt nicht nötig. Ab und zu kommt es auch in den Interviews zu rührenden Momenten. Wenn Angelique Kerber etwa erzählt, dass sie in ihren frühen Tennis-Tagen ihren Schläger nicht hochheben konnte – weil der größer war als sie selbst. Dabei gibt es auch das ein oder andere Bild aus der Kindheit und Jugend der Ausnahme-Sportlerinnen zu sehen. Auch den Vater-Tochter-Beziehungen werden einige Minuten gewidmet. Die Väter sind dabei sowohl verständnisvolles Elternteil und Stütze als auch anspruchsvolle Förderer. Bei allem selbst entwickelten Ehrgeiz scheint es ein gängiges Motiv zu bleiben, Papa stolz zu machen.

Interessant wird es vor allem beim Thema Psyche – hier kommt auch ein Neurowissenschaftler zu Wort. Egal, ob es darum geht, sich selbst zu pushen oder sich an der Rivalität mit einer anderen Spielerin hochzuziehen, Mentalität spielt bei diesem Einzelsport eine herausragende Rolle. In puncto Wettbewerbsfähigkeit zieht Martina Navratilova einen glücklicherweise eher seltenen Vergleich zu den Männern: Während die Gesellschaft von den Herren einen kompetitiven Charakter erwartet, wird dieser bei den Damen hinterfragt.

Bei aller verbissenen Strebsamkeit und der nötigen Gier nach Erfolg ist es dennoch schön zu sehen, dass jede dieser Weltklasse-Sportlerinnen aus dem gleichen Grund den Tennisschläger in die Hand genommen hat: nicht für Geld, nicht für Trophäen, sondern aus Spaß am Sport. Sie teilten den großen Traum vieler Mädchen, dessen Verwirklichung kostete sie viel Zeit, Geld und Nerven.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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