Sieben Jahre nach Zensur-Eklat

Carolin Kebekus legt sich wieder mit der katholischen Kirche an

von Jens Szameit

Ups, sie hat's schon wieder getan! Carolin Kebekus hat erneut die katholische Kirche angegriffen. Sieben Jahre nach dem Zensur-Eklat um ein Musikvideo, in dem sie unter anderem im Nonnenkostüm ein Kruzifix ableckte, hat die Komikerin einen neuen Satire-Clip produziert, der unter strengen Theologen wohl in den Bereich der Gotteslästerung fällt.

In der vorerst letzten Ausgabe der "Carolin Kebekus Show" am Donnerstagabend im Ersten zu sehen war, kommt die 40-Jährige auf systemische Diskriminierung von Frauen durch die katholische Kirche zu sprechen. "Ich weiß, schon wieder dieses Thema, wir können es einfach nicht lassen", kündigt die Komikerin eine neue sakrale Provokation an. Die lässt nicht lange auf sich warten: "Die Kirche ist eine tolle Karrieremöglichkeit für Männer, die gerne prunkvolle Kleider tragen, aber ein Ausbeuterbetrieb, wenn es um die Gleichberechtigung von Frauen geht."

Für sie selbst, so Kebekus, sei das Ganze eine sehr persönliche Frage. "Ich bin aus der Kirche ausgetreten, weil ich das vor mir selber nicht mehr rechtfertigen konnte. Aber ich bin katholisch getauft und fühle mich immer noch als Christin." In dem Zusammenhang geht sie auf "Maria 2.0" ein, eine Reformbewegung, die sich der Gleichstellung von Frauen in der Kirche verschrieben hat. Sie könne die "Verbundenheit mit der Gemeinde und dem Glauben der Frauen von Maria 2.0 absolut nachvollziehen", erklärt Kebekus. "Für mich ist es ein riesiges Rätsel, warum man nicht das Engagement dieser Frauen nutzt. Euer Laden geht den Bach runter, und da stehen schlaue, hochintelligente, studierte Frauen voller Liebe für ihre Kirche und wollen helfen!" Die Satirikerin weiter: "Ich hoffe, dass Frauen die Kirchen stürmen und sie zu neuem Leben erwecken." Dann leitet sie über zum musikalischen Teil: "Da in der Kirche ja gerne viel gesungen wird, habe ich ein Kirchenlied dazu gemacht."

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Besagtes "Kirchenlied" – "Ave Maria – Alle Ladys in Gottes Gemeinden" mit Titel – hatt es natürlich wieder in sich. Diesmal nicht in Nonnenkluft, sondern im Gewand einer Päpstin rappt Kebekus darin sehr lustige ("Moses teilt das Meer, wir teilen Käsekuchen") und sehr anstößige Zeilen ("Nächster Papst wird eher ein Heide als jemand mit 'ner Scheide"). Die deutliche Forderung: der Einzug des Feminismus in die Institution Kirche. "Wer hat euch Kollegen denn geboren, um zu beten?", rappt Kebekus, auch der Zölibat wird frivol verhandelt: "Ministranten kennen Frauen nur von Youporn." In Erinnerung bleibt ein hoch komischer und hoch unsittlicher Aufnahmeantrag in Liedform: "Lasst uns rein in euren P..mmelverein! Wir wollen ja teilen, kann denn Scheide Sünde sein?"

Im Bereich der Kirchenkritik darf Carolin Kebekus als "Wiederholungstäterin" gelten. 2013 hatte ein Satireclip für ihre damalige WDR-Comedy-Show "Kebekus!" für einen Eklat gesorgt. In einem Video mit dem Titel "Dunk dem Herrn" rappte sie Zeilen wie "Er ist meine Bank, nur für ihn zieh ich blank", lüftete im Angesicht eines Kruzifix ihren Rock und leckte das religiöse Symbol ab. Der WDR untersagte die Ausstrahlung und begründete dies mit seinem Auftrag, "die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten und die Verunglimpfung religiöser Symbole in seinen Sendungen nicht zuzulassen".

Carolin Kebekus hatte dies als Akt der Zensur gewertet und beendete aus Protest ihre bei Einsfestival ausgestrahlte Sendung. Inzwischen sind die Wogen zwischen ihr und dem Sender aber wieder geglättet. Auch die "Karolon Kebekus Show", die nun bis auf Weiteres in die Pause geht, wird im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks produziert.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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