"Die verrückten 80er – Das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen"

ARD-Rückblick: Mit Schulterpolstern der Wende entgegen

von Rupert Sommer

Nostalgie-Trip im Ersten: In einer dreistündigen Doku begibt sich der WDR, der das Format produziert hat, auf Zeitreise in ein buntes Jahrzehnt, das den Deutschen angeblich das liebste ist.

ARD
Die verrückten 80er – Das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen
Show • 11.07.2020 • 20:15 Uhr

Vielleicht sind die 80er-Jahre mit ihrer Vorliebe für Schlabber-Looks, neonfarbene Leggings, Jogging-Anzüge und eigenwillige Zottel- und Fransenfrisuren auch deswegen so beliebt, weil sich mit einem angeblichen Retro-Trend ganz gut überdecken lassen kann, dass man sich in diesem Aufzug, der aus dem deutschen Alltag offenbar nie ganz verschwunden war, immer noch wohlfühlen kann. Die 80-er gehen eigentlich immer. Nur hätte man eine Sendung wie "Die verrückten 80er – Das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen" eher bei einem der grellbunt unterhaltenden großen Privatsender vermutet. Aber der WDR hat das Drei-Stunden-Format produziert, ausgestrahlt wird es zur besten Samstagabend-Sendezeit im Ersten.

Ein bisschen didaktisch-seriösen Überbau benötigt die öffentlich-rechtliche Sendung dann allerdings doch. Und so kommen Stimmen zu Wort, die von den Zeiten großer politischer Umbrüche erzählen – auch wenn die Perspektive auf das damalige Zeitgeschehen, das mit dem Mauerfall 1989 einen Höhepunkt und Abschluss finden musste, stark aus West-Sicht geprägt ist. So ist dann auch immer wieder von der vermeintlich guten "alten Bundesrepublik" die Rede, was ostdeutsche Zuschauer vermutlich etwas irritieren dürfte. Gesellschaftlich wurde angeblich gegen Normen genauso aufbegehrt wie in Mode-Fragen. Von der Musik der 80er ganz zu schweigen. Kein Jahrzehnt war bunter, kreativer und wilder. Gleichzeitig, so heißt es, soll der Bürgerwille stark, das Vertrauen in die Kraft der Demokratie groß gewesen sein. So jedenfalls die etwas miefig-piefige Legendenbildung, die mit den "Eighties" immer wieder einsetzt.

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Für die Rückschau hat die WDR-Produktion, deren Redaktion Annabell Meyer-Neuhof und Carsten Wiese übernahmen, viel Originalmaterial der Zeit arrangiert – mit bewegenden wie skurrilen Momenten. Dann muss natürlich an Zauberwürfeln gedreht werden, Walkman gehört und frühe Computerspiele gedaddelt werden – während in der gar nicht so fernen Sowjetunion in Tschernobyl ein Reaktor havarierte. So war das eben, damals in den 80er-Jahren.

Als Zeitzeugen für die eigenwillige Stimmungslage eines Jahrzehnts, das offenbar für viele Nostalgiker vor allem in der Rückschau Sinn ergibt, werden Prominente wie Hannes Jaenicke, Annette Frier, Ann-Kathrin Kramer, Peter und Stephan Brings, Oli P. sowie die Musiker Angelo und Joey Kelly befragt. Außerdem ist noch einmal der unlängst verstorbene, seinerzeit wie bis zuletzt allzeit beliebte ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm zu hören, der vom WDR tatsächlich den Spitznamen "Nobby" bekommt. So gefühlig war das damals – und heute.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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