"Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen?"

Terra X: "Frauen führten vermutlich ganze Heere an"

von Andreas Schoettl

Von wegen schwaches Geschlecht: Forschungsergebnisse belegen, dass Frauen in früheren Zeiten sogar ganze Heere anführten. Eine "Terra X"-Doku räumt endgültig mit dem alten Klischee auf.

ZDF
Terra X: Mächtige Männer – Ohnmächtige Frauen?
Dokumentation • 12.07.2020 • 19:30 Uhr

Der Brite Charles Darwin (1809 – 1882) gilt aufgrund seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie bis heute als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler. Doch zumindest in einem Punkt hat er ganz sicher geirrt. Der bereits zu Lebzeiten hoch angesehene Forscher behauptete durchaus unverblümt, der Mann sei evolutionär das intellektuell überlegene Geschlecht. Doch neue Funde und moderne wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen Darwin. Auch wenn es der Mann womöglich nicht gerne hört: Schon in der Steinzeit waren Frauen nicht einfach nur für die Höhle zuständig, in der Bronzezeit regierten reiche Fürstinnen, und einige Wikingerinnen zogen sogar mit schwingender Axt in die Schlacht.

Der Film von Birgit Tanner und Carsten Gutschmidt, der nun im Rahmen von "Terra X" im ZDF zu sehen ist, räumt endgültig mit dem Klischee auf, dass Männer jagen und Frauen sammeln. Beispielhaft ist ein Fall in Schweden: In der Wikingerstadt Birka entdeckten Archäologen zur Jahrhundertwende ein Grab mit Schwertern, Pferden, Pfeil und Bogen. Lange Zeit zweifelte niemand an der Identität dieses Wikingers. Er war ein Mann, und er muss wohl ein großer Krieger gewesen sein. Doch erst 2017 ergaben neuartige DNS-Analysen das Gegenteil. Das Grab gehörte einer Frau. Der Archäologe Jan Stora etwa erklärt: "Frauen waren sehr wahrscheinlich auch militärisch im Einsatz, sie führten vermutlich ganze Heere an."

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Dass sich die Geschlechterrollen im Laufe der Zeit zuungunsten der Frau verändert haben und sie als Träger der Menschheitsgeschichte sogar mehr und mehr übergangen wurde, führt die Archäologin Julia Katharina Koch auf Verlustängste zurück. Es waren Männer wie Darwin, die die modernen Wissenschaften im 19. Jahrhundert maßgeblich entwickelt haben. Die Expertin begründet: "Diese Wissenschaftler wollten zeigen, dass die natürliche Rolle der Frau zu Hause am Herd zu finden sei, um ihre eigene soziale Stellung nicht zu gefährden."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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