Angenehm ruhig ist es um den "Eurovision Song Contest" (ESC). So herrscht diesmal kein Streit wie noch im vergangenen Jahr, als der Konflikt zwischen dem damaligen Gastgeber Ukraine und Russland auch auf die Showbühne schwappte. Der russischen Sängerin Julia Samoylova wurde 2017 die Einreise nach Kiew verwehrt.

Dass Vergleichbares nicht noch einmal passiert, dafür sorgte die European Broadcasting Union (EBU) mit einer Regeländerung. Alles prima also für den nun 63. kontinentalen Gesangswettstreit. Im Finale der 26 von insgesamt 43 teilnehmenden Ländern muss in der Altice Arena in Lissabon nun nur noch Michael Schulte ordentlich punkten. Nach dem Desaster-Hattrick der vorangegangen Jahre (Letzter, Letzter, Vorletzter) glauben die Buchmacher allerdings kaum an durchschlagende Chancen für die Ballade "You Let Me Walk Alone" des deutschen Teilnehmers.

Neues Reglement 

Der Streit zwischen der Ukraine und Russland um die Einreise der Sängerin Samoylova im vergangenen Jahr wollte so gar nicht zum eigentlich knallbunten, freundlichen Hochglanzimage des internationalen Wettbewerbs passen. Immerhin sollte die Großveranstaltung mit ihrer ersten Austragung 1956 stets auch der Völkerverständigung dienen. So jedenfalls die Idee der Gründerväter. Damit diese nun wieder mehr in den Mittelpunkt rückt, hat die verantwortliche EBU am Regelwerk geschraubt.

In einem nach dem Eklat von Kiew neu hinzugefügten Abschnitt im Reglement heißt es nun: "Der ESC ist eine unpolitische Veranstaltung. Alle teilnehmenden Rundfunkanstalten einschließlich der ausrichtenden Rundfunkanstalt haben dafür Sorge zu tragen, dass innerhalb ihrer jeweiligen Delegationen und Teams alle erforderlichen Schritte unternommen werden, um sicherzustellen, dass der ESC in keinem Fall politisiert und/oder instrumentalisiert wird." Eindeutig auf den Fall Samoylova bezogen, gilt zudem, dass "kein ausgewählter Teilnehmer und kein Delegationsmitglied aufgrund seines/ihres Vorlebens den Behörden des Gastgeberlandes Anlass dafür gibt, aufgrund nationaler Gesetze gegen ihn/sie ein Einreiseverbot zu verhängen."

Russland jedenfalls ist nach seinem einjährigen Boykott in Lissabon nun wieder dabei. Und das genau mit eben Samoylava als singende Vertreterin. Ob sie mit ihrem Song "I Won't Break" allerdings bei der Entscheidungsshow zu sehen sein wird, muss sich noch zeigen. Ihr steht die Hürde des zweiten Halbfinals (am Donnerstag, 10. Mai) bevor.

Singt Salvador Sobral wieder?

Rund fünf Stunden Sendezeit hat die ARD für die Übertragung aus Lissabon nebst Rahmenprogramm veranschlagt. Dabei sollten vor allem die Emotionen nicht zu kurz kommen. Und geliefert werden sie ganz bestimmt – durch den erhofften Auftritt von Salvador Sobral. Der amtierende ESC-Gewinner, Portugals Erster überhaupt, erhielt erst im Dezember vergangenen Jahres ein Spenderherz. Nach einem dem Eingriff folgendem Nierenversagen äußerte er im Januar, dass es ihm fortlaufend besser gehe. Auch singen wolle Sobral wieder – direkt beim ESC?

Dieses mögliche Highlight würden dann die Moderatorinnen Filomena Cautela, Sílvia Alberto, Daniela Ruah und Catarina Furtado live ab 21 Uhr verkünden. Nach einem reinen Männertrio im vergangenen Jahr führt nun ein Damen-Vierer durch den weltweit größten Musikwettbewerb. Für die ARD-Zuschauer kommentiert wie gewohnt Peter Urban die Auftritte bis zur Abstimmung – profunder geht es nicht, wie die ESC-Fans wissen.

Der deutsche Teilnehmer Michael Schulte wird der immer wieder spannenden Punktevergabe am Ende der Show besonders entgegenzittern. Der in Eckernförde geborene Singer-Songwriter trägt die Last, ein erneutes ESC-Desaster Deutschlands zu verhindern. Nach zwei letzten und einem vorletzten Platz der jüngeren Vergangenheit stehen seine Chancen allerdings nicht besonders. Buchmacher sehen seine Ballade "You Let Me Walk Alone" rund um den 20. Rang. Bei insgesamt 26 Teilnehmern im Finale verheißt das nichts Gutes. Favorisiert hingegen gilt die Sängerin Netta aus Israel. Sie setzt auf einen feministischen Song zur #metoo-Debatte.

Das ARD-Rahmenprogramm zum Final-Spektakel ist seit Jahren erprobt: Barbara Schöneberger zählt ab 20.15 Uhr im Ersten den "Countdown für Lissabon" und meldet sich ab 0.40 Uhr von der "Grand Prix Party". Auf der Hamburger Reeperbahn begrüßt sie unter anderem die Band Simple Minds, Sasha, Namika, Max Giesinger, Lotte, Revolverheld, Mary Roos, Mike Singer und den voXXclub. Auch "Tagesschau"-Sprecherin Linda Zervakis will ihr mögliches Unterhaltungstalent weiter testen. Sie wird vom Finale in Lissabon berichten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst