ARD-Film

"Eine Almhütte für Zwei": Bauer sucht Frau als Komödie

von Wilfried Geldner

Zwei Menschen, beide geistig ein wenig zurückgeblieben, finden in dieser Heimatkomödie, die sich um Tabubrüche nicht zu scheren scheint, zueinander.

ARD
Eine Almhütte für Zwei
Komödie • 05.09.2020 • 20:15 Uhr

Das Degeto-PR-Bild verrät es schon: In "Eine Almhütte für Zwei" wird der Optimismus siegen. So glücklich lächeln nämlich hier die weibliche Hauptdarstellerin Anna Drexler, Annette Frier und Martin Brambach in die Kamera, dass jedermann weiß: Hier ist Freude angesagt, die Widrigkeiten im Leben des zurückgebliebenen Kindes Beate und seiner Eltern werden keine Stolpersteine sein. Auf den Zuschauer kommt denn auch kein Film über Gehandicapte und deren Recht auf Liebe zu, wie auch schon gehabt, sondern eine Chaoskomödie, die sich zwischen Witz und Traurigkeit um Tabubrüche nicht zu scheren scheint. Der Titel bleibt denn auch das einzig Doofe an diesem Samstagsfilm im Ersten.

Es geht also nie sentimental oder gar belehrend zu in dieser Heimatkomödie, in der Anna Drexler als kindlich-naiv zurückgebliebene Beate aus Köln eine Bravourleistung abliefert. Wenn sie dem Bergbauern Leonhard zuläuft, vielmehr zureitet, weil sie flüchtend eine Stute samt Fohlen vor dem Metzger retten will, dann redet sie eigentlich in lauter vernünftigen Sätzen. Mit sparsamen Gesten wie Zeigefingerdeuterei deutet sie allenfalls dezent ihre Behinderung an. Den Informationsrest besorgt Anette Frier als Mutter, wenn sie den Bergrettern nach Beates Flucht in aller Kürze das Wesen der Tochter erklärt. Erwachsen sei sie, aber geistig auf dem Stand einer Zwölfjährigen, sagt sie lapidar.

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Tom Beck als Beates neuer Bergbauernfreund in den Mittenwalder Bergen macht als bärtiger Beau erst gar nicht den Versuch, als Behindertencharge erkennbar zu sein. Er wirkt mindestens so vernünftig wie unsereiner. Sind wir nicht alle behindert? könnte man da wieder einmal mit dem pädagogischen Zeigefinger fragen. So ein bisschen ins Nirwana starren und nicht mehr weiter wissen, das machen wir ja auch manchmal. Dass der Bergbauer in seiner Almhütte gern und viel zu einer Marienstatue betet, scheint Benedikt Röskau, der Drehbuchautor und Regisseur, den metaphysischen Anwandlungen des Lausbuben Sebastian in Marcus H. Rosenmüllers "Wer früher stirbt, ist länger tot" nachempfunden zu haben.

Es geht deftig zu, aber immer jugendfrei, wenn Beate dem in Liebesdingen gänzlich unerfahrenen Leonhard "das Sexuelle" erklärt und der Vergleich mit Kuh und Pferd unweigerlich zu einem guten Ende führen muss. Der nunmehr zu erwartende Nachwuchs spaltet die Gemüter: Während die erwachsenen Naturkinder Leonhard und Beate unumstößlich Kindersegen stehen, raten die Eltern, aber auch habgierige Einheimische ab. Mehr von der Sorge um die Zukunft des neuen Paares werden Letztere nämlich von einer Geldquelle getrieben, die auf Leonhards Grund als wertvoller Naturbrunnen entspringt und einen immensen Fremdenverkehrsboom verspricht.

Es gibt dann viel zu richten für Annette Frier als Mutter, während Martin Brambach als Beates Vater mit gebrochenem Arm daheim auf der Kölner Couch verweilt. Mit vielen Schauplatzwechseln zwischen Action und Romantik und einem hochkarätigen Ensemble versteht es Röskau, volkstümliche Anwandlungen mit komischen Tabubrüchen zu mixen. Aus einem eventuellen Rührfilm wird auf diese Weise ein tränenfreies Melodram. Nur die Musik spielt aus dem Off immer etwas zu hausbacken und betulich mit – offensichtlich hat hier das Geld nicht mehr zu Besserem gereicht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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