07.09.2020 Sky-Experte im Interview

Lothar Matthäus: "Es geht ja nicht nur um die Meisterschaft"

Sky-Experte Lothar Matthäus.
Sky-Experte Lothar Matthäus.  Fotoquelle: imago/ULMER Pressebildagentur

Stephan Braun im Gespräch mit dem Weltmeister von 1990, Weltfußballer und heutigem Sky-Experten Lothar Matthäus zur neuen Saison.

Die neue Bundesligasaison beginnt. Was erwartet uns?

Ich hoffe, dass es wieder spannend wird, aber gerne dieses Mal bis zum letzten Spieltag. Der FC Bayern München hat in der vergangenen Saison die Konkurrenz deklassiert: sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League. Aber trotz alledem: Die Bundesliga ist für mich immer eine spannende Liga, dafür sorgen die vielen Positionskämpfe. Es geht ja nicht nur um die Meisterschaft, sondern auch um die Qualifikation für die Champions League und die Europa League oder um den Kampf gegen den Abstieg. Bis auf die Meisterschaft war in den vergangenen Jahren ja eigentlich immer bis zum letzten Spieltag noch die ein oder andere Entscheidung offen. Das erwarte ich jetzt wieder. Außerdem erwarte ich attraktiven Fußball, denn man hat in der vergangenen Saison ja gesehen, dass Mut belohnt wird. Nicht nur bei den Bayern, sondern zum Beispiel auch bei Borussia Mönchengladbach. Mit ihrem neuen Stil unter Trainer Marco Rose haben sie sich verdient für die Champions League qualifiziert. Ein anderes gutes Beispielist der SC Freiburg: Mit einem kleinen Etat haben sie sehr mutig gespielt, hätten fast noch die Europa League erreicht. Ich glaube, dass wir eine attraktive Spielweise sehen werden und dass wieder viele Tore fallen. Die Bundesliga wird uns wieder begeistern. Und am meisten wünsche ich mir, dass die Spieler bald wieder das bekommen, was sie am meisten benötigen: Und damit meine ich nicht die Punkte, sondern die Unterstützung ihrer Fans.

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Welche Mannschaften werden uns überraschen?

Man darf gespannt sein was in Hoffenheim passiert. Dort trägt im neuen Trainer Sebastian Hoeneß jemand einen großen Namen. Er ist jung und lässt sehr offensiv spielen, aber bislang kennt man ihn in der Bundesliga noch nicht. Und vor allem bin ich gespannt auf das Projekt Hertha BSC Berlin. Dort ist jetzt mehr Geld vorhanden, aber damit jetzt entsprechend umzugehen und richtig zu investieren, das wird entscheidend sein. Das ist ganz sicher ein spannendes Projekt, auf das viele blicken werden. In den letzten Jahren war die Hertha eine Art graue Maus in der Bundesliga, kam nie über Platz 9 hinaus und hat wenig Beachtung erhalten. Da wollen sie jetzt raus, deshalb stehen sie auch ein bisschen unter Druck.

Wer steigt ab?

Mit Bielefeld und Stuttgart werden die beiden Aufsteiger ganz sicher zu den Abstiegskandidaten gehören. Bremen wird es nach der schlechten letzten Saison auch wieder schwer haben. Mit Augsburg und Mainz kommen dann wieder die üblichen Verdächtigen dazu, eventuell auch Freiburg und Union Berlin. Und bei Köln und Schalke wird der Druck von außen entsprechend groß sein. Es werden sieben bis acht Mannschaften sein, die sich schwer tun werden, und die schnellstmöglich Punkte holen müssen.

Kann der FC Bayern München das Triple verteidigen?

Ich habe großes Vertrauen in Trainer Hansi Flick. Schon letzte Saison habe ich gesagt, dass die größte Verstärkung des FC Bayern neben Nico Kovac auf der Bank sitzt. Jetzt hat er als Cheftrainer die Verantwortung und ihm traue ich die Verteidigung des Triples zu. Er ist geerdet, analysiert gut, kommt auf eine angenehme Art und Weise rüber. Ich glaube nicht, dass die Bayern sich auf dem Erreichten ausruhen werden. Sie sind clever in der Zusammenstellung des Kaders, mit Leroy Sané haben sie zum Beispiel noch einmal eine Rakete dazubekommen. Sie werden wieder hungrig sein, sie werden weiter Titel gewinnen wollen - das ist ihre Sieger-DNA. Deshalb traue ich dem FC Bayern nicht nur das nationale Double zu, sondern auch wieder das Triple.

Wie schätzen Sie unsere Nationalmannschaft ein?

Unsere Nationalmannschaft hat sich gegenüber dem letzten Turnier sehr verändert. Jogi Löw hat vor allem im Mittelfeld und in der Offensive eine hohe Qualität beisammen. Darunter sind auch junge Spieler, die von den erfahrenen Spielern noch geführt werden müssen. Ein Problem sehe ich auf den Außenverteidigerpositionen. Da hinken wir international ein bisschen hinterher. Deshalb wären wir insgesamt gesehen bei einem Turnier augenblicklich sicher nicht der große Favorit, sondern gehören eher zum erweiterten Favoritenkreis.

Wie schauen Sie Fußball?

Ich sehe sehr viel Fußball. Auch wenn ich im Urlaub bin, schaue ich im Fernsehen Fußball, nicht nur nationalen Fußball, auch internationalen. In der längeren Corona-Pause der englischen Liga habe ich mir zum Beispiel sehr intensiv die Spiele der Bundesliga angeschaut, danach habe ich sehr viel aus der Premier League gesehen. Bei Sky funktioniert das ja sehr gut. Ich verfolge auch intensiv die italienische Liga, weil ich dort selbst gespielt habe. Und natürlich gucke ich mir auch große Spiele aus Spanien an.

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