"Ein Fall für Petra Delicato: Das Zeichen"

"Mord in Genua": Auftakt zur vierteiligen Krimi-Reihe im ZDF

von Wilfried Geldner

Im ersten von vier Filmen mit der früheren Anwältin Petra Delicato, die jetzt ein zurückgezogenes Leben im Archiv des Polizeipräsidiums von Genua führt, geht ein Frauenvergewaltiger um.

ZDF
Mord in Genua – Ein Fall für Petra Delicato: Das Zeichen
Krimi • 06.12.2020 • 22:15 Uhr

Vom späten Sonntagskrimi des ZDF ist man normaler skandinavische Schwärze aus Schweden oder Dänemark gewohnt, machmal gibt es sogar Koproduktionen mit finnischen Streaming-Diensten zu sehen, die in Lappland spielen. Der Vorteil: Unwillige brauchen sich nicht mit deutschen Darstellern in der Fremde herumzuquälen – es wird meist mit Einheimischen gedreht und danach synchronisiert.

Diesmal allerdings sind die ZDF-Fictionredakteure im tiefen Süden fündig geworden. Beim italienischen Fernsehsender Sky Cinema stießen sie auf die Abenteuer der Genueser Ex-Anwältin Petra Delicato (Paola Cortellesi), die – von den Männern und der Welt enttäuscht – eingangs noch im Kellerarchiv des Polizeipräsidiums haust. Sie macht die neue Reihe "Mord in Genua – Ein Fall für Petra Delicato" zur Schau.

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Je tiefer die Körperteile, desto deutlicher die Begriffe

Eigentlich ist Frau Delicato ja in Barcelona zu Hause, so wurde sie zumindest von der Autorin der Romanvorlage, der Spanierin Alicia Giménez-Bartlett, 1996 angelegt. Die vier Filme, die nun jeweils sonntagabends im ZDF zu sehen sind, folgen brav der Reihe nach den Krimis der Autorin. Der deutsche Verlag bezeichnet sie nicht unbescheiden als spanische Krimiautorin "Nummer eins".

An Selbstbewusstsein gebricht es Petra Delicato auch in Genua nicht. Ganz im Gegenteil: Als sie kurzerhand dazu auserkoren wird, die Ermittlungen im Fall eines Serien-Vergewaltigers zu übernehmen, nimmt sie fortan nie ein Blatt vor den Mund – je tiefer die Körperteile, desto umgangssprachlicher die Begriffe. Dem ihr zugeteilten Polizeikollegen Antonio Monte (Andrea Pennacchi) wird von ihr schon mal vorsorglich die Türe gewiesen. "Ich will nicht, dass Sie durch meine derben Ausdrücke verlegen werden", sagt dann die Inspektorin besorgt.

Zuvor musste der Gute allerdings auch schon miterleben, wie die taffe Petra einen vorbestraften Verdächtigen dazu verdammte, vor ihr die Hose herunterzulassen. Wieso und weshalb, bleibt unerfindlich, auch wenn der Spurensicherer zuvor brav erwähnte, dass nach der Tat keinerlei Ejakulat zu entdecken gewesen sei. Dafür blieb am Arm des Opfers ein mit scharfer Klinge eingeritztes rätselhaftes Zeichen zurück. Zumindest Petra wird bald klar, dass der Mehrfach-Vergewaltiger ein armes Würstchen war.

Bis hin zur Schluspointe, wenn man es denn eine nennen will, wird noch viel gegendert, es gilt allerlei Unterschiede zwischen Kommissar und Kommissarin zu etablieren. Doch bleibt immer noch genügend Raum, sich Schritt für Schritt einander anzunhähern. Auch wenn Petra stets das Zepter schwingt, wird aus anfänglicher Sekpsis bald doch Freundschaft, wenn nicht gar auch noch Liebe.

Auf die bei Auslandskrimis in solchen Fällen stets übliche Touristenkulisse verzichtet diesmal bis auf ein paar hafenprospekte weitgehend die Regie (Maria Sole Tognazzi). Erst ganz am Ende lädt Petra ihren Kollegen in die markante Oper ein – bisher hatte der Ärmste immer schüchtern einen großen Bogen um sie herumgemacht. – Wer mag, der halte durch – sonntags noch dreimal, sei aber vorsorglich gewarnt: Im übernächsten Fall gibt's für die Signora – Steigerungen sind auch hier noch möglich – eingelegte männliche Geschlechtsteile in der Schachtel.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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