Judi Dench und Steven Coogan spielen in dem von Stephen Frears sensibel inszenierte Film großartig auf. Das Erste zeigt den berührenden Film nun in der Wiederholung.

Für Martin Sixsmith (Steven Coogan) ist es die Hölle: Er sitzt mit einer alten Frau (Judi Dench) auf einem Flughafen und muss sich von ihr die Zusammenfassung eines Schundromans anhören. Aber er hat keine Wahl: Martin ist gefeuerter Pressesprecher der Regierung, zynisch, lebensfeindlich und von der Art intellektueller Arroganz, die nur Briten hinbekommen. Um in seinem alten Beruf als Journalist wieder Fuß zu fassen, soll er einen Artikel über die Geschichte von "Philomena" (2013) erzählen: 50 Jahre nachdem die Irin von der katholischen Kirche gezwungen wurde, ihren Sohn zur Adoption freizugeben, will sie endlich wissen, was aus ihm geworden ist. Begleitet von dem schnöseligen Journalisten begibt sich die freundliche alte Dame auf eine so rührende wie komische Spurensuche, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Schmerz und Tod als Strafe Gottes

Als junges, unverheiratetes Mädchen war Philomena schwanger geworden. Hingerissen von der Leidenschaft, was in Irland Schande und Verteufelung gleichkam. Sie wurde wie viele andere Mädchen in ein Kloster gesperrt: Dort nahmen die Nonnen in Kauf, dass junge Mädchen und ihre Babys bei der Geburt starben. Schmerz und Tod als Strafe Gottes für die Unzucht. Wer überlebte, musste im Kloster jahrelang in sklavenähnlichen Verhältnissen arbeiten. Die Frauen durften ihre Kinder nur eine Stunde pro Tag sehen – sofern sie nicht von reichen Amerikanern adoptiert wurden.

Eine Entschuldigung gibt's von den Nonnen im Film nicht – im Gegenteil: Sie vertuschen die Verbrechen von einst und rechtfertigen ihr Verhalten bis heute. Man könnte deswegen aus der Haut fahren wie Martin. Oder man hält es wie Philomena, die sich für Schuld und Verantwortung nicht interessiert und einfach nur ihren Sohn finden will.

Es ist das große Verdienst des Films, nicht die Unmenschlichkeit in den Mittelpunkt zu rücken, sondern die phänomenale Philomena. Natürlich ist die Frau traurig, aber sie blickt immer nach vorne. Sie schafft es, sogar ihrem zynischen Begleiter hin und wieder ein echtes Lächeln zu entlocken: Wenn sie sich wonnevoll an den Abend erinnert, an dem Anthony gezeugt wurde zum Beispiel. Das ist einer der schönsten, einer der ehrlichsten Dialoge, der die Quintessenz des Films enthält: Sag ja zum Leben!

Einfach nur hinreißend

Statt einer wütenden Abrechnung inszenierte Stephen Frears eine zutiefst rührende Geschichte, die ohne Pathos und Kitsch auskommt und einfach nur hinreißend ist: Man muss der energischen und würdevollen Judi Dench einfach zu Füßen liegen. Die Grande Dame des britischen Kinos wurde 2014 für ihre Rolle mit einer Oscar-Nominierung bedacht, genau wie das fantastische Drehbuch, das ihr Co-Star Steven Coogan zusammen mit Jeff Pope verfasste. "Philomena" wurde zudem als bester Film und für die beste Musik nominiert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst