Der "Star Wars"-Ableger "Rogue One" erzählt die Vorgeschichte der Rebellen aus dem ersten Film von 1977. Düster und gewaltvoll zeigt das Nostalgie-Spektakel endlich wieder einen "echten" Krieg der Sterne.

Unglaubliche 42 Jahre ist es her, dass die staunenden Zuschauer folgenden Schriftzug lasen: "Während der Schlacht ist es Spionen der Rebellen gelungen, Geheimpläne über die absolute Waffe des Imperiums in ihren Besitz zu bringen, den Todesstern." Der damals mysteriöse Satz stammt aus dem Eröffnungstext des ersten "Star Wars"-Films, der 1977 hierzulande unter dem Titel "Krieg der Sterne" erschien und eine beispiellose Erfolgsgeschichte nach sich zog. Das Spin-off "Rogue One – A Star Wars Story", das auf ProSieben erstmals im Free-TV zu sehen ist, erzählt nun die Story hinter jenem legendären Intro-Satz. Doch trotz vergleichsweise blasser Charaktere entfacht das Quasi-Prequel um den Diebstahl der Todesstern-Pläne nicht nur ein Nostalgie-Spektakel sondergleichen. Vor allem bietet der düstere "Star Wars"-Ableger nach langer Zeit wieder einen echten Krieg der Sterne.

Sensationell detailgetreu eignet sich der Film den 70er-Stil der ersten Trilogie an: die altmodischen Autoritäts-Uniformen, die naiv designten Raumschiff-Konsolen-Knöpfchen, die Rebellen in ihren Hippie-Klamotten. Getragen wird der gewaltvolle, absolut nicht kindgerechte Kriegsthriller, in dem niedliche Sidekicks wie BB-8 keinen Platz haben und ein Jar Jar Binks wohl gnadenlos gemeuchelt würde, von einer ausgewogenen Mixtur aus echten Figuren und Animationen. Am beeindruckendsten wird der aktuelle Stand digitaler Charaktere an einer Wiedererweckung deutlich: Großmoff Tarkin, ursprünglich vom 1994 verstorbenen Peter Cushing verkörpert, ersteht dank CGI wieder leibhaftig in seiner standartenführerhaften Erscheinung auf und überwacht die Vollendung des Todessterns.

Um jene wohlbekannte Superwaffe des Imperiums dreht sich in "Rogue One" alles: Verantwortlich für deren Bau ist der neue Imperiums-Handlanger Orson Krennic, gespielt vom charismatischen Emmy-Gewinner Ben Mendelsohn ("Bloodline"). Als Inbegriff postmoderner "Star Wars"-Ambivalenz ist er getrieben, unsicher, neurotisch – vor allem, weil ihm ein weiterer berühmter und behelmter, röchelnder Chef im Nacken sitzt, der kurze, aber intensive Auftritte erhält. Derlei momenthafte Wiedersehen mit alten Bekannten sowie nostalgische Anspielungen liefert "Rogue One" durchaus – allerdings meist in Ecken, die wohl nur Kenner ausleuchten.

Anders als in "Das Erwachen der Macht" sind die Rebellen gänzlich neu zusammengewürfelt. Eine neben der Ästhetik wesentliche Parallele gibt es aber: Abermals spielt eine Frau die Hauptrolle, was so manchen orthodoxen männlichen Fan verärgerte. Auch Jyn Erso, verkörpert von einer sympathisch stereotypenfreien Felicity Jones, behauptet sich wie zuletzt Rey als starker weiblicher Charakter, der sich nicht von Typen abhängig macht.

Eine Wahl hat sie kaum: Seit ihrem 15. Lebensjahr schlägt sich die junge Frau als Kleinkriminelle allein durch – ihr Vater verließ sie früh. Mit Grund, wie man eindrücklich Zeuge wird: Der alte Herr (Mads Mikkelsen, der wie für "Star Wars" geschaffen scheint) half einst, den Todesstern zu bauen – was Jyn wiederum trotz ihrer Eskapaden für die Rebellion extrem wertvoll macht. Der geschulte Fan merkt: Die Tradition der Problemfamilien, die in "Star Wars" schon immer eine Rolle spielte, wird auch im Ableger fortgesetzt.

Ein Droide ist der Charismatiker

Die im Diebstahl geübte Jyn soll als Anführerin einer bunten Rebellentruppe Dokumente stehlen, die das Schicksal des Universums verändern können: Das Wissen darüber, wie der Todesstern zu vernichten ist, wird folgenreich sein – wie alle wissen, die den ersten "Star Wars"-Film aus dem Jahr 1977 kennen. Gemeinsam mit Captain Cassian Andor (Diego Luna), dem blinden Chirrut Imwe (Donnie Yen) und dessen Kumpel Baze Malbus (Jiang Wen) sowie besagtem Droiden K-2SO infiltriert die smarte Kämpferin das Imperium.

Dass die Charaktere um Jyn im Wesentlichen ziemlich austauschbar daherkommen, liegt auch in der Natur der Spin-off-Sache: Statt liebenswerte Figuren empathisch weiterzuentwickeln, schafft "Rogue One" eine Art Einweg-Superhelden-Ensemble, dem es zuvorderst um lockere Sprüche und eindrucksvolle Kämpfe geht. Bezeichnend dafür ist, dass der grandios animierte Droide K-2SO mit seinem unterhaltsamen selbstgefälligen Zynismus tatsächlich das charismatischste Teammitglied stellt.

Eine Rolle spielt das kaum: Der Versuch, die Baupläne des Todessterns zu stehlen, mündet in einem gewaltigen Action-Spektakel, das dank detailgetreuer "Star Wars"-Retro-Ästhetik alles andere als seelenlos daherkommt. Ob im All oder auf wundervoll entworfenen Planeten, ob in den mit vibrantem Leben erweckten Metropolen oder in den unwirtlichen Winkeln des "Star Wars"-Universums: "Rogue One", der bislang brutalste und düsterste Film des Franchise, zeigt endlich wieder einen echten Krieg der Sterne.

Im Kino geht es auch bald weiter mit der Weltraum-Saga: Mitte Dezember startet die neunte Episode mit dem Titel "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers", die an "Star Wars: Das Erwachen der Macht" (2015) und "Star Wars: Die letzten Jedi" (2017) anschließt und damit die Sequel-Trilogie abschließt. Mit dabei sind wieder Daisy Ridley, Adam Driver und John Boyega.


Quelle: teleschau – der Mediendienst