In der neuen Staffel der Amazon-Serie "Goliath" ist Billy Bob Thornton nach langer Zeit mal wieder zusammen mit seinem alten Kumpel Dennis Quaid zu sehen, dem "einzigen Schauspieler, mit dem ich privat abhänge", wie Thornton verrät.

Billy Bob Thornton kehrt als Rechtsanwalt Billy McBride für die dritte Staffel der Hit-Serie "Goliath" auf den Bildschirm zurück. Dieses Mal muss er sich im von Dürre geplagten Central Valley, Los Angeles, mit dem unerwarteten Tod eines Freundes auseinandersetzen. In seinem Kampf auf der Suche nach der Wahrheit steht McBride einem milliardenschweren Rancher (Dennis Quaid) gegenüber. Wie auch schon in den ersten beiden Staffeln zeigt "Goliath III" (ab 4. Oktober bei Amazon) menschliche Abgründe und Enttäuschungen auf. Die Sprache ist schmutzig, die Stimmung oft düster. Im Interview in New York erklärt der 64-jährige Schauspieler, Filmemacher und Rockmusiker, was die Fans an der Amazon-Original-Serie so fasziniert und warum sie so große Aufmerksamkeit auf sich zieht.

prisma: Warum ist "Goliath" so erfolgreich?

Billy Bob Thornton: Jede Staffel hat ihr eigenes Thema, mit dem sich die Welt gerade beschäftigt. Mein Charakter Billy McBride ist ein Rechtsanwalt, aber er ist nicht so einer, der Unmengen von Geld kassiert und teure Anzüge trägt, sondern ein ganz normaler Typ. Ich glaube die Leute können sich durch ihn besser mit dem Gesetz identifizieren.

prisma: Wie viel von Billy McBride steckt in Ihnen?

Thornton: Sehr viel! Um ehrlich zu sein, spiele ich mich quasi selbst in der Serie. Klar, ich bin kein Anwalt, aber genauso wie McBride vertraue ich dem Gesetz, finde aber, dass es oft menschlicher ausgerichtet sein sollte. Ich versuche immer, mich mit dem Gesetz zu bewegen, lehne mich aber oft ziemlich stark in die Kurve (lacht). Manchmal ergibt das Gesetz einfach keinen Sinn.

prisma: Haben Sie sich mit verschiedenen Rechtsanwälten getroffen, um sich auf Ihre Rolle vorzubereiten?

Thornton: Nein. Das Tolle an "Goliath" ist, dass die Drehbuch-Autoren beide Anwälte sind. Einer hat Jura studiert und der andere ist ein Rechtsanwalt, der auch noch in seiner Kanzlei aktiv ist. Immer wenn ich eine Frage habe, wende ich mich an sie. Über die Jahre habe ich mir jede Menge Verhandlungen angesehen. Außerdem schaue ich mir täglich die Nachrichten an und befasse mich auch damit. Dann gibt es natürlich auch noch TV-Sendungen, die im Gerichtssaal stattfinden. Da passiert allerdings einiges, das im wirklichen Leben nicht erlaubt ist (lacht).

prisma: Fällt es Ihnen leichter, eine Rolle zu spielen, die Ihnen ähnlich ist, oder eine, für die sie sich komplett verändern müssen?

Thornton: Oberflächlich betrachtet sieht es zwar so aus, als hätte ich in meiner Karriere viele unterschiedliche Charaktere gespielt, die mir absolut nicht ähnlich sind, doch die beste Arbeit leiste ich, wenn ich ehrlich sein kann. Und der einzige Weg, um ehrlich zu sein ist, dass ich mich mit meiner Rolle identifizieren kann. Deshalb steckt in jeder Rolle auch ein Stück von mir selbst. Klar, wenn ich eine reale Person wie zum Beispiel George Washington nachahmen müsste, hätte ich damit sicherlich ein Problem, denn jeder kennt ihn. Um so eine Rolle richtig hinzubekommen, muss man diese Person leben. Den einzigen realen Menschen, den ich jemals verkörpert habe, war Davy Crockett. Den kannte keiner wirklich und konnte mich mit ihm vergleichen (lacht).

prisma: In der dritten Staffel stehen Sie mit Dennis Quaid, der einen milliardenschweren Farmer spielt, vor der Kamera. Wie kam es dazu?

Thornton: Dennis und ich sind seit über 25 Jahren befreundet und wohnen nicht weit voneinander entfernt. Er ist der einzige Schauspieler, mit dem ich privat abhänge. Wir verbringen viel Zeit mit unserer Musik zusammen, sind oft unterwegs und haben deshalb nicht immer Zeit, Rollen anzunehmen. Wir haben 2004 zum letzten Mal zusammengearbeitet.

prisma: Wieso ist das so lange her?

Thornton: Dennis und ich – und auch Kevin Costner – sind vom Typ und Alter her zu ähnlich. Deshalb werden wir oft für die gleichen Rollen gecastet.

prisma: Wann war das letzte Mal, dass Dennis Quaid Ihnen eine Rolle weggeschnappt hat?

Thornton: (lacht) Das ist schon lange her. Das war 2004 für "Der Flug des Phoenix". Aber wir führen untereinander keinen Konkurrenzkampf. Wir lachen eher darüber und freuen uns natürlich für den anderen.

prisma: Sind Sie dafür verantwortlich, dass Quaid in der dritten Staffel von "Goliath" mitspielt?

Thornton: Ich hatte die Idee, und wir haben intern darüber gesprochen. Aber ich habe nicht selbst angerufen, um mit ihm über die Rolle zu verhandeln. Das lief dann alles ganz offiziell über seinen Agenten.

prisma: Umweltverschmutzung, Wasser-Krisen, das große Problem mit Opiaten. Wie lange glauben Sie, können Sie mit "Goliath" so weitermachen?

Thornton: Bei den ganzen Problemen, mit denen unsere Welt zurzeit zu kämpfen hat, ewig. Solange ich als Schauspieler eine gute Geschichte erzählen kann, bin ich dabei. Sobald wir keine aktuellen Themen mehr haben, mit denen wir uns auseinandersetzen können, ist es Zeit aufzuhören.

prisma: Was hoffen Sie, nehmen die Zuschauer von "Goliath" mit?

Thornton: Ich hoffe, dass sie die Show unterhaltsam finden und vielleicht auch ein bisschen darüber lernen, mit welchen Problemen die Welt gerade konfrontiert wird. Vom steigenden Wasserspiegel bis hin zum ärmsten und reichsten Farmer, der mit der Dürre Kaliforniens zu kämpfen hat.

prisma: Wie unterscheidet sich die dritte Staffel von den ersten beiden?

Thornton: Die dritte ist eine Kombination der ersten und zweiten Staffel. Ich möchte behaupten, dass die dritte die beste ist. Ich hoffe, die Zuschauer sehen das genauso.

prisma: Wir sehen viele neue Gesichter, viele Jungschauspieler, in der Staffel. Geben Sie letzteren auch Ratschläge?

Thornton: Nur wenn sie das von mir wollen und danach fragen. Klar habe ich mehr Erfahrung als ein Jungschauspieler, aber als Mensch sind wir alle gleich. Keiner steht über dem anderen. Wenn jemand um meinen Rat bittet, dann gebe ich ihn auch gern, aber ich würde nie auf jemanden zugehen, um ihm meine Meinung aufzudrängen. Und ich betone immer, dass es meine ganz persönliche Sicht der Dinge ist.

prisma: Die jüngere Schauspiel-Generation startet heute ganz anders ins Business als Sie damals. Heute gibt es Social Media, was Sie vor über 30 Jahren nicht hatten.

Thornton: (schreit auf)... Ich weiß, ich bin so schlecht darin. Ich bin mehr mit meiner Musikkarriere als mit meiner Schauspielerei involviert. Die Band hat Instagram, Twitter und Facebook. Als Schauspieler bin ich schon so lange dabei, dass mich zum Glück viele Leute auch so kennen. Aber wenn ich etwas poste, kläre ich das immer vorher mit den Produktionsteams ab. Klar ist es gut, dadurch auch jüngere Fans zu erreichen. Ich finde das sehr wichtig.

prisma: Wie unterscheidet sich Ihre von der heutigen Generation?

Thornton: Wir konnten uns freier bewegen. Wir konnten in eine Bar gehen, ein Bier trinken und Spaß haben, ohne dass es zwei Minuten später die ganze Welt wusste. Wir hatten dadurch viel mehr Privatsphäre. Doch das Gute an der heutigen Generation ist, dass sie viel mehr Leute auf der ganzen Welt berühren kann. Die jungen Leute können mit einem "Tweet" eine ganze Stadt für sich gewinnen. Diesen Luxus hatten wir damals nicht.

prisma: Ihre Rolle kämpft gegen das System. Brauchen wir alle einen McBride in unserem Leben?

Thornton: Ohne jemanden wie ihn sind wir alle aufgeschmissen. Jeder muss für sich selbst kämpfen, doch das Traurige ist, dass viele nicht wissen wie. Ich hatte Leute, die für mich kämpfen mussten. Vor allem in meinen jüngeren Schauspieljahren (grinst). Doch wer kämpft heute für die ältere Generation? Für Senioren, die einfach aus ihrem Haus geschmissen werden? Wir brauchen einen McBride, der genau für diese Leute kämpft.

prisma: Wäre das nicht ein Thema für Staffel 4?

Thornton: Ja, wir müssen die Leute auf die Probleme der älteren Generation hinweisen. Denn ganz ehrlich, was mit vielen von ihnen passiert, ist einfach nicht richtig.

prisma: Wie verbringen Sie ihre Freizeit, wenn Sie am Set welche haben?

Thornton: Wir haben kaum Freizeit, aber jede freie Minute, die ich habe, nutze ich, um meine Familie anzurufen. Meine Tochter ist 15 und liebt es, über "Facetime" mit mir zu sprechen. Ich liebe das auch, denn so bin ich meiner Familie sehr nahe, auch wenn ich eigentlich weit weg bin. Eine tolle Erfindung... Auch das hatten wir damals nicht (lacht).


Quelle: teleschau – der Mediendienst