Billy Bob Thornton

Oscar- und Golden-Globe-Gewinner: Billy Bob Thornton. Vergrößern
Oscar- und Golden-Globe-Gewinner: Billy Bob Thornton.
Fotoquelle: Helga Esteb/shutterstock.com
Billy Bob Thornton
Geboren: 04.08.1955 in Hot Springs, Arkansas, USA

Unter den heutigen Hollywood-Schauspielern von Rang ist er das Chamäleon. Auch wer ihn gut zu kennen glaubt, ist schnell mal beim Abspann eines Filmes überrascht: Ach, das war Billy Bob Thornton? Seinen künstlerisch größten Erfolg hatte Thornton bislang mit "Sling Blade" (1996), den er auch schrieb und inszenierte.

In der Hauptrolle spielte er einen debilen Mann, der in seiner Jugend nach dem Mord an seinem gewalttätigen Vater für Jahrzehnte in die geschlossene Anstalt eingewiesen wurde. Nun ist er als geheilt entlassen, doch er kommt in eine Familie, wo sich dasselbe Drama zu wiederholen scheint. Er schließt Freundschaft mit einem Jungen, dessen Mutter sich einen prügelnden Macho zum Liebhaber erwählt hat. Früher oder später wird sich dies ebenso verheerend auf das Leben des Jungen auswirken wie damals auf sein eigenes. So opfert der Mann seine neu gewonnene Freiheit: Er tötet den Gewalttäter und wird für den Rest seines Lebens aus der Gesellschaft entfernt werden.

Für diesen Film erhielt Billy Bob Thornton 1997 in der Kategorie bestes adaptiertes Drehbuch einen Oscar. In Deutschland war die düstere, aber keinesfalls humorlose Südstaatenballade mit biblischen Anklängen leider ein kommerzieller Misserfolg.

Mut zur Grässlichkeit

Einen tumben Charakter spielte Billy Bob Thornton auch in Oliver Stones Wüsten-Krimi "U-Turn - Kein Weg zurück" (1997) mit Sean Penn, Jennifer Lopez und Nick Nolte. Er ist der ölverschmierte Mechaniker, potthässlich, strohdumm und hinterhältig, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Sean Penn als Spieler in Nöten nicht aus dem lausigen Kaff wegkommt. Am Ende ist er der einzige, der gut lachen hat, und nicht nur mit der dabei ausgiebig gezeigten Gebissruine zeigt Billy Bob Thornton Mut zur Hässlich-, ja Grässlichkeit.

Als Dumpfbacke hat der intelligente Schauspieler immer seine größten Erfolge. 1999 erhielt er für seinen Auftritt in Sam Raimis starkem Thriller "Ein einfacher Plan" eine Oscar-Nominierung. Als begriffsstutziger Bruder von Bill Paxton sorgt er mit dafür, dass der Titel gebende einfache Plan gründlich schiefgeht: Drei Männer finden im Schnee ein abgestürztes Flugzeug und darin eine millionenschwere Dollarbeute. Sie beschließen, das Geld zu verstecken, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Doch dann wollen sie es besonders klug anstellen (besonders Bill Paxtons Gattin Bridget Fonda übertrifft sich selbst in Sachen dämliche Einfälle) und reiten sich tief hinein - in ein Gestrüpp aus Hass und Gewalt.

Paradoxerweise spielte Billy Bob Thornton einen hochintelligenten Mann ausgerechnet in einem strunzdummen Film: In "Armageddon - Das jüngste Gericht" (1998) von Michael Bay ist er Chef des Bodenpersonals. Als proletenhafter Wahlkampfmanager sah man ihn in "Mit aller Macht" (1998) von Mike Nichols.

Karrieremäßig eher ein Spätstarter

Billy Bob Thornton war karrieremäßig eher ein Spätstarter. In den Siebzigerjahren versuchte er sich zunächst als Schlagzeuger und Sänger in einer Band namens "Tres Hombres". Erst 1981 zog er nach Los Angeles und nahm dort Schauspielunterricht. Da er aber alles andere als eine klassische Schönheit ist, blieben Rollen Mangelware. Billy Bob Thornton spielte gelegentlich Theater ("A Streetcar Named Desire", "Lone Star") und trat regelmäßig in der TV-Serie "The Outsiders" auf.

In dieser Zeit verschliss er drei Ehefrauen und schrieb ein paar Drehbücher. Eines davon wurde unter dem Titel "One False Move" 1991 von Carl Franklin verfilmt - mit Billy Bob Thornton auch vor der Kamera. Damals freundete er sich mit Hauptdarsteller Bill Paxton an, den er Jahre später mit großer Treffsicherheit für "Ein einfacher Plan" vorschlug. Seit 1992 sah man Billy Bob Thornton häufiger in TV und Kino, obwohl es noch Jahre dauern sollte, bis man mit ihm ein Gesicht verband. Obwohl: So richtig ist dies immer noch nicht eingetreten, denn - wie gesagt - es ist gerade das Markenzeichen von Billy Bob Thornton, dass er in jedem Film ein völlig neues Gesicht zeigt.

Im Jahr 2000 machte sich Thornton an die Verfilmung des Bestsellers "All die schönen Pferde". Doch die Produzenten schnitten das über vierstündige Werk auf knapp zwei Stunden zusammen und so wurde es eher bedeutungslose Regie-Arbeit. Im Jahr darauf drehte Thornton die Tragikomödie "Daddy and Them - Durchgeknallt in Arkansas", in der er auch selbst die Hauptrolle übernahm.

2015 erhielt Thornton einen Golden Globe als "Bester Schauspieler in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm" für seine Rolle in "Fargo".

Weitere Filme: "Hunter's Blood" (1987), "South of Reno" (1988), "Going overboard" (1989), "Chopper Chicks in Zombietown" (1989), "For the Boys - Tage des Ruhms" (1991) von Mark Rydell, "Harry & Kit - Trouble Bound" (1992), "Ein unmoralisches Angebot" (1992) von Adrian Lyne, "The Killing Box" (1993), "Blood in - blood out" (1993) von Taylor Hackford, "Tombstone" (1993) von George Pan Cosmatos, "Auf brennendem Eis" (1993) von und mit Steven Seagal, "Floundering" (1994) von Peter McCarthy, "Dead Man" (1995) von Jim Jarmusch, "The Winner" (1996) von Alex Cox, "Don't Look Back - Die Killer im Nacken" (1996), "Heiße Nächte in Las Vegas" (1996), "Apostel" (1997), "Homegrown" (1998) von Stephen Gyllenhaal, "Turbulenzen und andere Katastrophen" (1999) von Mike Newell, "Banditen!" (2001) von Barry Levinson sowie "The Man Who Wasn't There" (2001). Ebenfalls 2001 entstand das Drama "Monster's Ball", in dem Thornton an der Seite von Oscar-Gewinnerin Halle Berry zu sehen war, 2002 "Die Tote im Sumpf", 2003 die Komödien "Ein (un)möglicher Härtefall" und "Bad Santa" sowie 2005 "Die Bären sind los", "Der Date Profi - Was du brauchst, ist die richtige Masche!" (2006), "Astronaut Farmer" (2007), "Eagle Eye - Außer Kontrolle" (2008), "Faster" (2010).


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