Bill Paxton

Erschreckt sich mit Helen Hunt vor einem "Twister": Bill Paxton Vergrößern
Erschreckt sich mit Helen Hunt vor einem "Twister": Bill Paxton
William Paxton
Geboren: 17.05.1955 in Fort Worth, Texas, USA
Sternzeichen: Stier
Gestorben: 25.02.2017 in Ojai, Kalifornien, USA

Bill Paxton ist der Mann der zweiten Geige. In den großen Kassenhits der letzten Jahre erscheint er regelmäßig neben den großen Stars und seine Funktion scheint - etwas böswillig ausgedrückt - in erster Linie darin zu bestehen, nicht weiter aufzufallen. Das erklärt zumindest, warum Bill Paxton in solchen Erfolgen wie "Apollo 13", "True Lies - Wahre Lügen", "Twister" oder "Titanic" dabei war und dem breiten Publikum dennoch weitgehend unbekannt geblieben ist.

Schon in jungen Jahren landete Paxton in der Filmindustrie. Noch als Teenager fand er einen Job als Dekorateur in Roger Cormans Film Factory, zunächst bei Jonathan Demmes Frühwerk "Verrückte Mama" (1975). Hier sah man ihn auch in einer kleinen Rolle zum ersten Mal auf der Leinwand.

Paxtons Filmographie weist anschließend eine sechsjährige Lücke auf. In dieser Zeit machte er in New York unter Stella Adler eine komplette Ausbildung zum Schauspieler. Die Leinwand hatte ihn wieder mit "Night Warning" und "Ich glaub, mich knutscht ein Elch" (beide 1981). Es folgten "Highschool Killer" (1983) und Franc Roddams "Verflucht sei, was stark macht" (1983) über die Menschenschinderei in einer Militärakademie.

Das Jahr 1984 brachte Paxton schließlich mit den beiden innovativsten Action-Regisseuren der 80er Jahre zusammen. Sowohl in Walter Hills "Straßen in Flammen" (1984) als auch in James Camerons "Der Terminator" hatte er jeweils eine kleine Rolle. Auf seine Rolle in der flachen Teenie-Komödie "L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn" (1985) von John Hughes lässt sich Paxton heute dagegen ungern ansprechen, was auf ein gewisses Maß an Selbstkritik schließen lässt, auch wenn er später noch in weitaus schlechteren Filmen dabei sein sollte.

Wieder war es James Cameron, der Paxton erneut in einem sehenswerten Film einsetzte, in seiner actiongeladenen Fortsetzung der Alien-Saga, "Aliens - Die Rückkehr" (1986). Danach sah man Paxton in Kathryn Bigelows Vampirfilm mit Westernmotiven "Near Dark - Die Nacht hat ihren Preis" (1987). Die Folgejahre waren dagegen wieder von Mittelmaß oder weniger geprägt.

Paxton spielte in Steven M. Lisbergers Endzeitwestern "Slipstream" (1989) neben Mark Hamill, in John Irvins Polizeithriller "Ruf nach Vergeltung" (1989) neben Patrick Swayze, in Lewis Teagues Action-Heuler "Navy Seals - Die härteste Elitetruppe der Welt" (1990) neben Charlie Sheen, in Stephen Hopkins packendem Aufguss "Predator II" (1990) neben Danny Glover und in John Mackenzies immerhin diskutablem Polizeifilm "Blue Heat - Einsame Zeiten für Helden" (1990). "One False Move" (1991) von Carl Franklin war dagegen wieder ein gut gemachter, spannender Gangsterfilm, der Paxton einige Anerkennung von Kritikerseite einbrachte. An seiner Seite stand unter anderem Billy Bob Thornton, der Oscarpreisträger für "Sling Blade" (1996).

Weiterhin hangelte sich Paxton tapfer durch Filme, die bestenfalls erträglich waren. In "Scary - Horrortrip in den Wahnsinn" (1992) spielte er einen Yuppie, den ein kannibalistisch veranlagter Obdachloser unter Mordverdacht bringt. Wieder unter Walter Hill - allerdings einem Walter Hill im totalen Form-Tief - spielte er 1992 in "Die Rap-Gang", in der zwei naive Feuerwehrmänner in einem verlassenen Haus aus Versehen einen Schatz finden und daraufhin von Gangstern unter Beschuss genommen werden. Als unfreiwillige Komödie ist das goutierbar, mehr nicht.

"Ein Sommer unter Freunden" (1993) von Mike Binder war eine nicht sehr wilde Komödie mit Vincent Spano, Alan Arkin und Kevin Pollak. Und dann kam es knüppeldick: 1993 sah man Bill Paxton auch in dem berüchtigten "Boxing Helena" von David Lynchs offenbar desoriertierter Tochter Jennifer Chambers Lynch. Dies war ein durch und durch idiotischer Film über einen Chirurg, der seinem Objekt der Begierde nach und nach die Gliedmaßen amputiert. Sherilyn Fenn und Julian Sands gaben sich neben Paxton die Ehre in einem der anerkannt schlechtesten Filme aller Zeiten. Kein Hahn würde danach krähen, wäre das dumme Werk nicht in die Schlagzeilen gekommen, weil Kim Basinger die zugesagte Hauptrolle dann doch nicht spielen mochte (verständlicherweise) und daraufhin von den Produzenten via Klage finanziell kräftig gemolken wurde.

Die kurzzeitige Western-Renaissance in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre brachte Bill Paxton eine Rolle in George Pan Cosmatos Baller-Werk "Tombstone" (1993) ein, wo er neben Kurt Russell und Val Kilmer Wyatt Earps jüngeren Bruder Morgan spielte. Auch "Die James Gang" (1995) von Robert Boris war einer dieser Neo-Western, die an der Kasse nichts einbrachten.

Dann kam die Zeit der großen Kassenerfolge: In James Camerons Action-Komödie "True Lies - Wahre Lügen" (1994) spielte Bill Paxton an der Seite von Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis, in "Apollo 13" war er neben Tom Hanks einer der unglücklichen Astronauten, die wegen eines technischen Fehlers um ein Haar im Weltall verschollen wären. Weniger Glück hatte Paxton mit seiner Rolle in "Jahre der Zärtlichkeit" (1996), einem überflüssigen und vom Publikum missachteten Aufguss des 80er-Jahre-Erfolgs "Zeit der Zärtlichkeit". Zwischendurch sah man Paxton mit einem Gastauftritt auch in der schwarzen Komödie "Last Supper - Die Henkersmahlzeit" (1995) von Stacy Title, worin sich fünf Studenten alle möglichen politisch inkorrekten Figuren - einen solchen durch und durch üblen Charakter mimt Paxton - nach Hause einladen, um sie systematisch zu vergiften.

In Jan De Bonts Katastrophenfilm "Twister" (1996) ist Bill Paxton einer jener absolut austauschbaren Charaktere, die hinter dem großen Wirbelsturm herhetzen und denen komischerweise nie etwas passiert, obwohl sie sich alle reichlich leichtsinnig aufführen.Doch Regisseur De Bont würde nach eigenem Bekunden in seinen Filmen auf lästige Charaktere am liebsten ganz verzichten, doch ohne Schauspieler geht es nun mal nicht. An der Seite von Bill Paxton verschliss sich unter anderem Helen Hunt, die in "Besser geht's nicht" (1997) mit Jack Nicholson einen Welterfolg landete.

Es wird wohl das ewige Schicksal Paxtons bleiben, dass man von ihm sagt, auch in James Camerons Über-Erfolg "Titanic" (1997) habe er eine Rolle gehabt, ohne dass es jemand gemerkt habe. Andererseits war seine durch und durch unauffällige Erscheinung optimal für seine Rolle in Sam Raimis Thriller "Ein einfacher Plan" (1998). Als Normalbürger, der wegen eines Haufen Geldes zum Mörder wird, bot er eine ausgezeichnete Leistung. Ein Jahr später spielte er auch in dem King-Kong-Remake "Mein großer Freund Joe" (1999) von Ron Underwood.

Bill Paxton war stets auch der Rockmusik sehr verbunden. Er war Mitglied der 80er-Jahre-Band "Martini Ranch", und kein geringerer als James Cameron inszenierte das Video für deren Song "Reach". Auch in dem von Kathryn Bigelow gedrehten Video für "Touched By The Hand Of God" für New Order trat er auf. Außerdem sah man ihn in "Shadows Of The Night" von Pat Benatar. 2001 lieferte Bill Paxton mit dem Mystery-Thriller "Dämonisch" sein Regie-Debüt und übernahm auch die Rolle des Mannes, der behauptet, im göttlichen Auftrag Dämonen in Menschengestalt zu töten.

Weitere Filme mit Bill Paxton: "Impulse - Stadt der Gewalt" (1984), "Faule Tricks und fromme Sprüche" (1988), "Brain Dead" (1990), "Monolith" (1993), "Future Shock" (1994), "Jahre der Zärtlichkeit" (1996), "Traveller - Die Highway-Abzocker" (1997), "U-571", "Vertical Limit" (beide 2000), "Spy Kids 2 - Die Rückkehr der Superspione" (2002), "Mission 3D" (2003), "Club Mad" (2004), "Das größte Spiel seines Lebens" (2005, Regie), "Haywire" (2011), "Hatfields & McCoys" (2012), "2 Guns" (2013).


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