Mae Holland (Emma Watson) lässt sich von einem bösen, bösen Internetkonzern freiwillig einkreisen.

The Circle

KINOSTART: 07.09.2017 • Science Fiction • USA (2017) • 110 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Circle
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
USA
Budget
18.000.000 USD
Einspielergebnis
20.497.844 USD
Laufzeit
110 Minuten
Music

Filmkritik

Und immer schrillen die Alarmglocken
Von Andreas Fischer

In der Verfilmung des Erfolgsromans "The Circle" von Dave Eggers lassen Emma Watson und Tom Hanks kein gutes Haar an unserer schönen neuen Digitalwelt.

Eine kluge junge Frau heuert bei einem Technologiekonzern an, mit dem Ziel, die Welt zu verbessern. Doch dann entpuppen sich die Verheißungen des digitalisierten Daseins als Todesurteil für Freiheit und Selbstbestimmung. In "The Circle" ist wirklich alles drin, wovor man heutzutage warnen kann: Cyber-Mobbing, die totale Überwachung, Big Data, soziale Zwänge im hypercoolen Arbeitsumfeld, Firmen, die mit ihren scheinbar basisdemokratischen Technologieversprechen Politik machen. Am Puls der Zeit jedoch ist James Ponsoldts Verfilmung von Dave Eggers' gleichnamigem Bestseller mitnichten, sondern läuft dem Zeitgeist ziemlich lahmarschig hinterher.

Da steht er also mit seinem Kaffeepott, die Ärmel hochgekrempelt, der Bart sorgfältig ungepflegt und regelmäßig "one more thing" verkündend: Wenn Eamon Bailey (Tom Hanks) seine freitägliche Andacht hält, können seine Jünger gar nicht anders, als mit offenen Mündern zu staunen, ekstatisch zu schreien und all die verrückten Dinge zu bejubeln, mit denen sie ihr Leben demnächst noch ein Stück mehr digitalisieren können. Bailey ist Chef der Internet- und Technologiefirma "The Circle", die Jünger sind seine Mitarbeiter, die sich auf dem intellektuellen Niveau irgendwo zwischen Kleinkind und Sektenhipster genügsam eingerichtet haben.

Mittendrin sitzt Mae Holland (Emma Watson), eine Neuerwerbung in der "Circle"-Belegschaft, die sich am Ziel all ihrer Wünsche wähnt. Wer will schon bei den Wasserwerken mit Kunden um Centbeträge fälschen, wenn er bei Apple, Google und Facebook gleichzeitig arbeiten kann? Dass Maes Träume von einer besseren Welt zu Albdrücken einer realen werden, weiß sie noch nicht. Das Publikum schon.

Plakative Einfältigkeit

Denn wo Dave Eggers in seinem Roman die Ironiekeule auspackt, um social Wahnsinn und technoide Leichtgläubigkeit einer Sinn suchenden Generation von hippen Millenials ad absurdum zu führen, keult sich James Ponsoldt (fast) gänzlich ironiefrei durch das Dickicht selbst aufgestellter Warnschilder. An plakativer Einfältigkeit ist die Kinoversion von "The Circle" jedenfalls nicht zu überbieten.

Immerhin darf Mae anfangs noch skeptisch sein auf dem hippen Firmencampus, auf dem sich ausschließlich gut gelaunte, bewusst ernährte und voll vernetzte Mitarbeiter fröhlich dem Profit von "The Circle" widmen. Abends gibt's alkoholfreie Partys und ein Konzert von Beck. Doch Maes kritische Vernunft weicht bald einem gutgläubigen Pragmatismus: Sie lässt sich vor den Karren spannen, wird "vollständig transparent" und glaubt ernsthaft daran, dass mit der totalen Überwachung die Demokratie gerettet werden kann.

Mae macht das anfangs aus privaten Gründen, später findet sie die Likes und Kommentare einfach nur schmeichelhaft. Und noch später dämmert ihr, dass es vielleicht gar nicht so gut ist, wenn überall auf der Welt Minikameras installiert sind, wenn die eigenen Datenspuren gnadenlos analysiert werden, wenn das Ich vom digitalen Zwangs-Wir gejagt wird.

Alarmglocken auf Maximallautstärke

Ja, alles ist irgendwie böse in "The Circle", der als Mischung aus "1984" und "Schöne neue Welt" gefallen will, faschistoide Tendenzen und Neusprech wie "sharing is caring" und "secrets are lies" inklusive. "Habt Angst, seid auf der Hut, passt auf" – immer wieder werden die Alarmglocken auf Maximallautstärke gestellt, wenn sich "The Circle" eine neue App, ein neues Gadget, ein neues "social gimmick" ausgedacht hat.

Abgesehen davon, dass wir das alles schon kennen (müssten): Man kann hier niemandem etwas abnehmen. Emma Watson als Mae Holland nicht, dass sie von der intelligenten Idealistin zur euphorischen Mitläufermaus wird, nur um sich einen Todesfall später zur Rebellin zu wandeln. Tom Hanks die hemdsärmlige Kumpelei eines Silicon-Valley-Granden nicht, und auch den Nebenfiguren ihre zugeteilten Funktionen als analoger Warner, ausgebrannte Regulierungsbeauftragte oder geheimnisvoller Gründer nicht.

Weil dem Film auch noch jegliche Spannung und subtile Töne fehlen und das Ende eine pathetische Generalabrechnung ist, die ferner der Wirklichkeit nicht sein könnte, überrascht es nicht, dass er in den Vereinigten Staaten schon mal grandios gescheitert ist.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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