Die Agenten der Spionageorganisation Kingsman müssen wieder den Weltfrieden sichern. Auch wenn Teil zwei nicht an den Vorgänger herankommt, bietet er eine herrlich bescheuerte Story, die Spaß macht.

Ehrfürchtig und respektlos zugleich näherte sich "Kick-Ass"-Regisseur Matthew Vaughn in seiner Comic-Adaption "Kingsman: The Secret Service" 2014 dem Genre des Agentenfilms und dessen Ikone 007. Fortlaufend bediente die temporeiche Spionagekomödie bekannte Codes und Konventionen, um diese allerdings in vielen Fällen zu brechen und zu kommentieren. Das Ergebnis war ein abgedrehter, zum Teil brachialer Spaß, der bei aller Lust am Persiflieren auch Spannung erzeugen konnte. Seinen spielerischen und betont ironischen Ansatz hat Vaughn in der Fortsetzung "Kingsman: The Golden Circle" (2017) konserviert. Der Film erreicht nicht ganz die anarchische Qualität des Vorgängers. Im Rahmen der Free-TV-Premiere bei ProSieben darf man sich dennoch auf einen herrlich beknackten Weltrettungsplot samt spektakulären, comichaft überzeichneten Actionszenen freuen.

Zu tun bekommt es der draufgängerische Eggsy alias Galahad (Taron Egerton), der sich inzwischen ein vollwertiges Mitglied der in London beheimateten Spionageorganisation Kingsman nennen darf, mit der im kambodschanischen Dschungel residierenden Drogenbaronin Poppy (Julianne Moore). Die will um jeden Preis als erfolgreiche Unternehmerin anerkannt werden und hat zu diesem Zwecke einen perfiden Plan entworfen: Kurzerhand macht sie alle Kingsman-Hauptquartiere dem Erdboden gleich. Eggsy und sein Kollege Merlin (Mark Strong) verschlägt es als einzige Überlebende in die Vereinigten Staaten, wo sie den Mitarbeitern des US-Geheimdienstes Statesman begegnen, die ihnen beim Kampf gegen Poppy beherzt unter die Arme greifen.

Wie schon im ersten Teil sind Logik und Relevanz nebensächlich. "Kingsman: The Golden Circle" geht in seiner Handlung zwar auf den seit vielen Jahren andauernden Krieg gegen die Drogen ein und zeichnet ein alles andere als positives Bild vom amerikanischen Präsidenten. Sonderlich raffiniert oder bissig sind die politischen Bezüge des Drehbuchs von Jane Goldman und Matthew Vaughn allerdings nicht. Auch die emotionalen Zwischentöne erweisen sich einmal mehr als Füllmaterial.

Fortsetzung alles andere als eine Enttäuschung

Punkten kann die augenzwinkernde, an lustigen Gadgets reiche Agentensause mit einer exzentrisch-charismatischen Gegenspielerin, die ihren Rückzugsort in einen nostalgischen 50er-Jahre-Themenpark verwandelt hat und über die Stränge schlagende Mitarbeiter ohne Wimpernzucken im Fleischwolf zu Burger-Masse verarbeitet. Die Stunts und Kampfchoreografien fallen mitreißend aus, selbst wenn der Film am Wahnwitz des ersten Teils vorbeischrammt.

Hauptdarsteller Taron Egerton macht, ähnlich wie im Vorgänger, sowohl in lässiger Garderobe als auch im feinen Zwirn eine ordentliche Figur und legt vor allem mit Colin Firth, dessen totgeglaubter Harry Hart überraschend zurückkehrt, ein unterhaltsames Zusammenspiel an den Tag. Neben einigen prominenten Gesichtern im Lager der US-Agenten (unter anderem Channing Tatum und Halle Berry) erwartet den Zuschauer ein verrückter Gastauftritt von Elton John, der dem Musiker sichtlich Spaß bereitet hat. Alles in allem hält "Kingsman: The Golden Circle" gut bei Laune und ist für eine Fortsetzung absolut zufriedenstellend.

Auserzählt ist die Geschichte um die Kingsman derweil noch nicht. Wie Regisseur Matthew Vaughn im Mai bestätigte, werde die Filmreihe mit einem weiteren Film beschlossen. Außerdem startet bereits im Februar kommenden Jahres das Prequel "The King's Man: The Beginning", das sich den Ursprüngen der Geheimorganisation widmet. Unter anderem wirken darin Gemma Arterton, Daniel Brühl und Ralph Fiennes mit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst