Nach 17 Jahren endet die ZDF-Reihe "Unter Verdacht", wie üblich strahlt ARTE auch das Finale vorab aus. Wer hätte gedacht, dass Senta Berger die Kriminalrätin Eva Prohacek so lange spielen würde?

"Und, bist froh, dass du's los bist, die oide Kachl?" – Wenn die Kollegen der eigenen Pensionierung derart herzlich entgegensinnen, hat man vermutlich sehr viel richtig gemacht als interne Ermittlerin der Polizei. Seit geschlagenen 17 Jahren spielte Senta Berger die in München beheimatete Kriminalrätin Eva Prohacek, eine jedweder Zuneigung abgeneigte Wadlbeißerin, nüchtern und unbestechlich wie ein Aktendeckel.

Wer hätte anfangs gedacht, dass dem weltläufigen Star ausgerechnet diese spröde Rolle aus der ZDF-Reihe "Unter Verdacht" im Karriereherbst die innigste sein würde? 30 Folgen sind es nun im Ganzen, in der die strenge Prohacek mit ihrem nachgerade anticharismatischen Assistenten Langner (Rudolf Krause) manchen Korruptionssumpf im Freistaat trockengelegt hat. Stets halb behindert, halb befeuert von ihrem Vorgesetzten Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), der Fleisch gewordenden Amigoaffäre.

Sie sage seit Jahren schon, die Eva Prohacek müsse in Rente gehen, sie sei schließlich Beamtin – so pflegte Senta Berger, 78, seit geraumer Zeit zu insistieren. Der Abschied falle ihr zwar schwer, doch wünsche sie zu dem Anlass "kein Brimborium". Berger: "Es wird einfach zu Ende gehen. Mit einer guten letzten Folge."

Nun, so ganz ohne Brimborium ging es wohl doch nicht. Zumindest wiegt der Abschiedsfall, den ARTE wie üblich in der Vorpremiere zeigt, emotional schwer. Als wäre der Spaghettiwestern eine bayerische Spezialität, gerät "Evas letzter Gang" zum langen, nicht unpathetischen Showdown mit dem Antipoden Reiter. Dazu schließen die Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen die Klammer zum allerersten "Unter Verdacht"-Film von 2002. Damals geschrieben und konzipiert von Alexander Adolph und sozusagen aus dem Stand mit dem Grimme-Preis bedacht.

Am letzten Tag vor ihrer Pensionierung wird Eva Prohacek mit dem Selbstmord eines Polizisten konfrontiert. Schuld an dessen Liebeskummer war seine Ex-Geliebte, die junge Beamtin Sarah Weiss (Julia Franz Richter). Prohacek erkennt sie nicht sofort. Auch nicht ihren Bruder Lukas (Anton Spieker), der in München-Giesing ein verblüffend weitläufiges Oldtimer-Atelier betreibt. Dann fällt es ihr wie Schuppen von den müden Augen: Die beiden sind die Waisen ihrer bei einem fingierten Hausbrand gestorbenen Mutter. Es war vor bald 20 Jahren Prohaceks erster Fall als Kriminalrätin für interne Polizeiangelegenheiten. Sie hat ihn nicht vollständig lösen können. Der Tod der Mutter blieb ungesühnt.

Rasch ist klar, dass die Polizistin Sarah Weiss das Unrecht mit den Mitteln der Selbstjustiz aus der Welt schaffen will. Die Hintermänner der Tat, der ein Bauskandal zugrunde lag, sind in erheblicher Aufruhr. Ein im Zeugenschutz befindlicher Ex-Polizist, Lokalpolitiker, Immobilienhaie und andere weißblaue "Honoratioren". Und auch der, der die schützende Hand über seine feinen Spezl hatte: Dr. Reiter. Der Karrierist, sonst immer auch für flamboyante Erheiterung bei "Unter Verdacht" zuständig, wird endgültig zum Gejagten. Fast wirkt er zu kraftlos zur Gegenwehr. Das macht den Abschiedskrimi, der sich in vielen entschleunigten Szenen in sanfte Überlänge streckt (Regie: Andreas Herzog), zu einem elegischen Ereignis.

Zum Abspann hin wird dann nicht eben dünn aufgetragen. Der alleingelassene Langner greift in der Seekapelle in die Orgeltasten, Eva Prohacek strebt vom Betrachter weg der Bavaria zu. Und Ende. Es klingt vermessen im Angesicht der anhaltenden Übersättigung mit öffentlich-rechtlicher Krimiware, aber die – pardon – "oide Kachl" von der Abteilung für Amtsdelikte wird man vermissen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst