Neuer Thüringenkrimi

"Ich trinke gerne Kaffee, auf eine spezielle Art": So tickt der neue Kommissar im "Thüringenkrimi"

05.02.2026, 09.51 Uhr
Golo Euler übernimmt die Rolle des Hauptkommissars Moritz Herbst im neuen "Thüringenkrimi". Der Schauspieler spricht über seine Vorbereitungen, den Dreh in der Pathologie und seine Liebe zum Kaffee.

Dass er Krimis kann, hat er oft bewiesen: Golo Euler gibt im neuen "Thüringenkrimi" den Kommissar. "Eine schöne Mischung aus Spannung, Humor, Wärme und Krimi" nennt er die Reihe, die nun im ZDF startet. Golo Euler über Kochen mit Kindern, Dreharbeiten in der Pathologie und frühe Berufswünsche.

Den ersten Kaffee des Tages hat Golo Euler schon genossen, denn zum Gespräch erscheint er trotz der frühen Stunde hellwach und interessiert. Der vielseitige Schauspieler, der zuletzt als allein erziehender Vater in "Ein Mädchen namens Willow" im Kino zu sehen war, hat eine große Aufgabe angenommen: Im Spin-Off der Reihe "Theresa Wolff – Der Thüringenkrimi" gibt er von nun an Hauptkommissar Moritz Herbst, der an der Seite einer Gerichtsmedizinerin (Emily Cox) im neuen "Thüringenkrimi" ermittelt. Kein Problem für den Krimi-erprobten Münchner ("Tatort", "Polizeiruf 110", Landkrimi"), der mit seiner Frau und zwei Kindern in Berlin lebt und eigentlich gar keinen Karriereplan verfolgt. Über Privates plaudert der 43-Jährige mit dem jungenhaften Charme nicht allzu gerne, wohl aber über seine Sicht auf die verschiedensten Dinge, beispielsweise Kinderarbeit beim Film oder Schauspieler als Aktivisten bei Social Media. Der erste "Thüringenkrimi" mit dem Titel "Gerechtigkeit" ist am Samstag, 7. Februar, um 20.15 Uhr, im ZDF zu sehen.

"Ich kann auch sehr pedantisch sein"

prisma: Hauptkommissar Moritz Herbst, ist die ganze erste Folge über auf der Suche nach einem trinkbaren Kaffee. Teilen Sie seine Leidenschaft?

Golo Euler: Ja, ich trinke gerne Kaffe, auf eine spezielle Art. Ich mag nicht so gerne Nespresso, sondern lieber Kaffee aus einer AeroPress, so eine Ein-Tassen-Filtermaschine. Wenn ich arbeite, wohne ich meistens im Hotel. Da habe ich gern die Möglichkeit, einen Kaffee zu trinken, bevor ich mich unter Leute begebe.

prisma: War es Ihre Idee, diese Kaffeeliebe einfließen zu lassen?

Golo Euler: Das stand wohl schon im Drehbuch, aber wir haben entschieden, die Figur verschiedene Kaffeesorten ausprobieren lassen.

prisma: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Golo Euler: Ich hatte wenig Zeit, weil das Angebot recht kurzfristig kam. Außerdem konnte ich nicht sofort zusagen, weil ich noch in anderen Verpflichtungen vorgesehen war, die ich dafür abgesagt habe. Dann schaute ich mir die Vorgängerfilme an, um ein bisschen was anders zu machen. Ich tauschte mich mit dem Regisseur und der Produzentin darüber aus, was wir uns so vorstellen, weil für mich die Möglichkeit gegeben war, die Rolle mitzugestalten. Schließlich wollten wir sehen, wie sich das Zusammenspiel mit Emily Cox entwickelt, davon hängt auch viel ab. Dann haben wir einfach losgelegt und uns reingestürzt.

prisma: Rechtsmedizinerin Mala Murphy, die von Emily Cox gespielt wird, macht gern ihr eigenes Ding und setzt sich auch mal über Verbote hinweg. Könnten Sie mit so jemandem in der Realität zusammenarbeiten – oder machen Sie es sogar selber so?

Golo Euler: Ich glaube, ich als Golo habe da zwei Herzen, die in meiner Brust schlagen. Ich bin jemand, der unkonventionellen Wegen gegenüber überhaupt nicht abgeneigt ist. Aber in anderen Gebieten kann ich auch sehr pedantisch sein.

prisma: Wo zum Beispiel?

Golo Euler: In der Küche. Die Sauberkeit spielt eine große Rolle, ein Rezept interessiert mich nicht so besonders. Ich koche sehr gerne und viel und ich habe für mich bestimmte Dinge gelernt, zum Beispiel wie man richtig Reis, Nudeln oder ein Sugo kocht oder wie man ein gutes Steak brät. Dann möchte ich auch gern, dass es so gemacht wird (lacht).

prisma: Und wenn die Kinder kommen und mitkochen wollen?

Golo Euler: Dann muss ich in meinem Gehirn einen Schalter umlegen und sagen, wir machen jetzt Kinderkochen und kein Erwachsenenkochen. Wenn ich ein gewisses Outcome erwarte und möchte, dass ein Gericht auf eine bestimmte Weise schmeckt oder aussieht, dann muss ich das selber machen.

Schauspieler, Geheimagent oder Feuerwehrmann?

prisma: Was zaubern Sie gern in der Küche?

Golo Euler: Ich bin ein großer Pasta-Freund und liebe schnelle, einfache Gerichte, die eine klare Sprache sprechen. Kein Gepansche, sondern einige wenige Zutaten, die gut miteinander kombiniert ein schönes Gericht ergeben. Ich mag aber auch klassische Küche sehr gerne, wie Braten. Und generell europäische Küche.

prisma: Darf es auch mal eine Kochsendung sein?

Golo Euler: Wir haben keinen Fernseher, deswegen nein. Aber mein Instagram-Feed ist sehr von allen möglichen Kochleuten durchwachsen.

prisma: Sie haben auf Ihrem Insta-Kanal vor allem Fotos von Dreharbeiten jeder Art. Treten Sie darüber mit Fans in Kontakt?

Golo Euler: Viel zu wenig. Aber ich bekomme Nachrichten.

prisma: Wie ist Ihr Umgang mit Social Media?

Golo Euler: Meistens nutze ich Insta sehr dilettantisch, um den Leuten zu sagen, dass etwas läuft, in dem ich mitgespielt habe, um darauf aufmerksam zu machen. Früher habe ich versucht, ein bisschen aktivistisch ranzugehen, aber das möchte ich nicht mehr, denn darin bin ich sehr schlecht. Ich weiß, dass Social Media irgendwie vorhanden sein muss, damit ich dort als Schauspieler existiere, aber mein Privates bleibt da raus. Das ist eine Vermischung von zwei Dingen, die ich ungern habe.

prisma: Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Emily Cox erlebt?

Golo Euler: Sehr schön. Ich kannte sie schon von einem Projekt davor. Wir verstehen uns sehr gut und haben viel Spaß zusammen am Set. Emily ist auch jemand, die gern noch einen Satz mehr sagt, wenn ihr spontan etwas einfällt, oder etwas anders macht als im Take davor. Deswegen ist es ein sehr lebendiges Spiel, das mich sehr freut. Man muss immer wachsam sein, was der andere als nächstes macht.

prisma: Wie war es für Sie, in der Pathologie zu drehen?

Golo Euler: Das ist tatsächlich eigen. Ich muss davon als Figur natürlich vollkommen unbeeindruckt sein, weil der Kriminalhauptkommissar Herbst das alles schon oft gesehen hat und er es als Teil seines Berufs wahrnimmt, der ihn nicht aus der Bahn wirft. Aber die Vorstellung, dass Menschen dort als reine Fleischinformation auf dem Tisch liegen, ist für mich schwierig.

prisma: Wo wurden die Szenen gedreht?

Golo Euler: Das war eine ehemalige Klinik in Jena.

prisma: Wären Sie nicht Schauspieler geworden, hätte der Beruf des Kriminalkommissars Sie interessiert?

Golo Euler: (überlegt) Ich glaube, der ist mir nicht so richtig untergekommen, auch als Kind nicht. Geheimagent wäre noch okay gewesen. Zur Feuerwehr wollte ich mal. Aber bei mir war leider die Schauspielerei relativ früh auf dem Zettel.

"Ich bete, dass ich mal wieder auf die Bühne komme"

prisma: Warum leider?

Golo Euler: Weil das einer der wenigen Berufe ist, den man auch als Kind bereits professionell ausüben kann. Und wenn man als Kind schon einen Beruf hat, dann sind die Fühler, die sich nach anderen Berufen ausstrecken, nicht mehr so ganz aktiv. Man hat ja schon einen Beruf. Während man sich vom Kind zum Jugendlichen und zum Erwachsenen entwickelt, geht man bestimmte Interessensfelder durch und möchte dies oder jenes werden. Aber wenn man in dieser ganzen Zeit schon etwas ist, fällt einem vielleicht weniger auf, was man noch für Interessen hat.

prisma: Wie war das bei Ihnen?

Golo Euler: Ich habe natürlich früh Theater gespielt, aber das professionelle Ausüben kam erst mit der Schauspielschule. Irgendwie war das mehr als ein Hobby, weil es Aufführungen gab. Damit war es mehr als etwas, was ich zu Hause gemacht habe, wo andere Kinder an ihrem Kuscheltier rumdoktern und Arzt spielen. Es hat sich bei mir also nach außen getragen und sehr früh angefangen.

prisma: Bereuen Sie das? Würden Sie rückblickend einen anderen Weg gehen?

Golo Euler: Nein. Ich bin sehr glücklich damit, aber es würde mich interessieren, was sonst noch dabei hätte rauskommen können, welche Wege es noch gegeben hätte. Aber das geht sicher jedem Menschen so, dass er sich überlegt, was wäre gewesen, wenn ich da nach links abgebogen wäre anstatt nach rechts. Mein Beruf erfüllt mich. Mal ist es mehr Sonnenschein, mal weniger, aber ich habe großes Glück, dass ich das machen darf, weil es einfach ein schöner Beruf ist.

prisma: War Ihnen von Anfang an klar, dass es Sie eher zum Film zieht als ans Theater, wo Sie ja zu Beginn gespielt haben?

Golo Euler: Gute Frage. Wenn ich ehrlich bin, war es wohl von Anfang an der Film. Ich habe zwar eine Theaterausbildung gemacht und auch sehr gerne Theater gespielt, und ich bete auch fast jeden Tag, dass ich mal wieder auf die Bühne komme. Also: Wer auch immer das liest: Ich würde gern mal wieder auf die Bühne! Aber ich habe immer schon interessiert alle möglichen Arten von Filmen geschaut.

prisma: Kommt Ihnen Ihre Vorliebe für Improvisation beim Film zugute?

Golo Euler: Nicht unbedingt, nein. Auf der Bühne ist das Spannende, dass man nicht abbrechen kann. Oder von vorne anfangen, wenn die Improvisation nicht gelungen ist. Es muss ja weitergehen, bis der Vorhang fällt. Wenn man auf der Bühne steht und es fällt einem der Text nicht ein, muss man ja trotzdem etwas sagen. Oder es fällt ein Stuhl um, der nicht umfallen soll, da muss man auch drauf reagieren. Auf der Bühne ist man viel mehr angewiesen auf Improvisation als vor der Kamera. Dafür kann man beim Film immer sagen: "Cut, wir machen es noch mal!"

Familienprojekt ist abgedreht

prisma: Was ist für Sie wichtig bei der Auswahl Ihrer Rollen? Es waren ja schon die unterschiedlichsten Figuren dabei.

Golo Euler: Ja, auf jeden Fall. Ich habe leider nie so richtig einen Karriereplan verfolgt und gesagt, ich sehe mich genau dort und habe darauf hingearbeitet. Ich habe viel das gemacht, was man mir angeboten hat, weil ich mir selber die Herausforderung darin gesucht habe, das umzusetzen. Das größte Auswahlkriterium ist, wenn ich es lese und anfange, leise mitzusprechen. Dann weiß ich, dass es mich interessiert.

prisma: Wie lässt sich für Sie die Arbeit beim Film mit Familienzeit vereinbaren?

Golo Euler: Schwierig zu organisieren ist es vor allem für meine Frau, wenn ich arbeite, und andersrum genauso, wenn sie arbeitet, weil wir dann immer alleine sind. Das ist leider ein Manko an diesem Beruf, dass er nicht unbedingt familienfreundlich ist, weil die Drehzeiten sich nicht an einen normalen Alltag halten. Du musst halt dann und dort arbeiten, wann und wo gedreht wird. Das ist nicht immer leicht. Unsere Kinder sind schon daran gewöhnt, dass einer von uns sagt: "Ich muss wieder los". Man ist schon viel unterwegs.

prisma: Was machen dann die Kinder?

Golo Euler: Wir haben vertrauenswürdige Hilfen, die dort sein können, wenn wir nicht da sind. Oder wir nehmen sie einfach mit. Oder sie spielen mit, das hatten wir auch schon. Meine Tochter, mein Sohn und meine Frau haben neulich alle mitgespielt, da hatten wir eine Familienproduktion. Das war ein Kinderfilm, der hoffentlich nächstes Jahr in die Kinos kommt. Er heißt "Hey, ich bin der kleine Tod, du kannst aber auch Frida zu mir sagen". Das ist der Titel des Buches, das wir verfilmt haben. Meine Frau und ich spielen das Elternpaar, meine Tochter hatte eine kleine Rolle, und mein Sohn rennt auch mal durchs Bild.

prisma: Wie wäre es für Sie, wenn auch Ihre Kinder sich für die Schauspielerei entscheiden würden?

Golo Euler: Wie ich vorhin gesagt habe, finde ich es problematisch, weil es ein Beruf ist, den man schon als Kind ausüben kann. Wir reden gerade darüber. Meiner Tochter hat das natürlich sehr viel Spaß gemacht und sie möchte das auch gerne weitermachen. Aber ich weiß nicht, ob das so gut ist, so früh schon so wirklich professionell einzusteigen. Sie ist zehn Jahre alt, mein Sohn ist sechs.

Viel inneren Frieden und äußere Ruhe

prisma: Werden Sie häufig erkannt, und wie gehen Sie damit um?

Golo Euler: Eigentlich werde ich wenig angesprochen. Ich mache es wie Superman, ich habe eine Brille. Und die trage ich nicht, wenn ich arbeite. Das funktioniert hervorragend. Wenn ich auf einer Premiere bin, ist das dienstlich, und ich freue mich, mit Leuten zu reden, die mich ansprechen. Aber wenn ich im DM Klopapier kaufe, dann bin ich halt der Familienvater und nicht der Schauspieler, und dann will ich auch nicht über meinen Beruf reden. Jeder hat Freizeit und möchte dann nicht unbedingt auf seine Arbeit angesprochen werden, weil es eben Freizeit ist. Mein Beruf hat ohnehin schon so viel von meinem Leben, dass ich auch gerne was von meinem Leben ohne diese Arbeit hätte.

prisma: Woher kommt eigentlich Ihr außergewöhnlicher Vorname?

Golo Euler: Mein Vorname kommt aus Norddeutschland und ist wahrscheinlich am ehesten zurückzuführen auf eine Form von Gottlob oder Gottlieb. Es gibt noch andere Theorien, über Rollo oder ähnliche Namen, die von den Wikingern kommen, aber das weiß ich gar nicht so genau. Meine Eltern haben sich das so gedacht. Meine Mutter kommt von der Nordsee, da hat sie den Namen wohl schon ein-, zweimal gehört.

prisma: Warum sollten die Zuschauer unbedingt den neuen Thüringenkrimi sehen?

Golo Euler: Weil wir eine schöne Mischung zwischen Spannung, Humor, Wärme und Krimi geschaffen haben.

prisma: Welche Botschaft haben Sie für die Leser?

Golo Euler: Ich wünsche allen, die das lesen, ein gutes neues Jahr 2026 und viel inneren Frieden und äußere Liebe.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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