Die Fortsetzung "Avengers: Age of Ultron" übertrumpft den bombastischen Vorgänger in puncto Spektakel noch einmal. Überraschungen bei der Handlung gibt es in dem ganzen Getöse indes nicht.

"Alles ist eine Nummer größer", hatte Chris Hemsworth versprochen. Der Australier spielt im "Avengers"-Film "Age of Ultron" (2014) den Hammergott Thor. Zusammen mit seinen Kollegen Captain America (Chris Evans), Iron Man (Robert Downey Jr.), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner) und Black Widow (Scarlett Johansson) muss der Superheld mal wieder die Welt retten. Dabei bekommen es die Giganten aus dem Filmkosmos mit einem hausgemachten Problem zu tun: Tony Stark alias Iron Man hat eine künstliche Intelligenz auf die Welt losgelassen, die von der Menschheit nicht besonders viel hält. Im Getöse von "Avengers: Age of Ultron", den VOX nun zur besten Sendezeit wiederholt, geht vieles unter, was die bisherigen Marvel-Actionfilme auszeichnete: allem voran Ironie und Lässigkeit.

Ohne Vorwarnung geht's gleich mit einer ausufernden Action-Sequenz los, in der zwei neue Antagonisten eingeführt werden: die Maximoff-Zwillinge Wanda (Elizabeth Olsen) und Pietro (Aaron Taylor-Johnson) aus dem fiktiven, osteuropäischen Sokovia. Die Geschwister, die ihre Eltern durch eine Bombe aus der Waffenschmiede Tony Starks verloren, wurden von der Geheimorganisation Hydra genetisch optimiert. Ihre Kampfnamen sind Quicksilver und Scarlet Witch: er ist schneller als das Licht, sie kann Gedanken manipulieren. Damit haben die Avengers nicht gerechnet. Mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert, sind sie gar nicht mehr super und abgeklärt, sondern verschreckt und ziemlich irrational. Paranoid, könnte man sagen. So paranoid, wie es auch eine Gesellschaft ist, die durch die Aufrüstung von Überwachungsapparaten und Waffensystemen gegen eventuelle Bedrohungsszenarien gewappnet sein will.

In die kurzen Ruhemomente zwischen den Actionexzessen packt Regisseur Joss Whedon ziemlich viele Themen, die er mit ernstem Ton gewissenhaft abhandelt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es sich vor allem für die Familie zu kämpfen lohnt und die Menschen in ihrer arroganten Dummheit trotzdem irgendwie nett sind. Überraschungen gibt es indes kaum. "Avengers: Age of Ultron" ist mehr als jeder Marvel-Film zuvor eine am Reißbrett entworfene Wuchtbrumme, deren durchaus eindrückliche Effekte für eine Reizüberflutung epischen Ausmaßes sorgen. Wer nicht mehr erwartet, wird bestens bedient.

In diesem Jahr bewiesen die Marvel-Studios hingegen wieder, dass sie trotz viel Getöse auch gute Geschichten mit tollen Charakteren erzählen können: "Captain Marvel", "Avengers: Endgame" und "Spider-Man: Far From Home" legten davon gleich dreimal eindrucksvoll Zeugnis ab.


Quelle: teleschau – der Mediendienst