Désirée Nosbusch bekommt in der ARD ihren eigenen Donnerstags-Krimi. Der "Irland-Krimi" spielt in Galway und versucht sich an der "Schwere" der Westküste der Insel.

Nein, eine fröhliche Ermittlerin ist diese Cathrin Blake (Désirée Nosbusch) nicht. Eigentlich ist sie sogar gar keine Ermittlerin, sondern Psychologin. Als Studentin kam die Deutsche nach Galway, an die irische Westküste. Dort verliebte sie sich in einen späteren Polizeikommissar, ein Sohn wurde geboren, und alles hätte so schön sein können. Doch dann verschwand Cathrins Mann, zehn Jahre bevor die Handlung des neuen ARD-Donnerstagskrimis einsetzt. Danach glitt Cathrin ab in Depressionen und Alkoholsucht. Der zu Beginn an Rückblenden reiche "Irland-Krimi: Die Toten von Glenmore Abbey" setzt zu einer Zeit an, in der sich Cathrin mit ihrem mittlerweile jung erwachsenen Sohn (Rafael Gareisen) etwas berappelt hat. Sie behandelt wieder Patienten, arbeitet allerdings nicht mehr – wie früher – als Kriminalpsychologin für die Polizei.

Als auf dem Gelände eines ehemaligen "Magdalenenheims" – einer Art Besserungsanstalt der katholischen Kirche für "gefallene" Mädchen – die vergrabenen Skelette von Kleinkindern und eines erwachsenen Mannes gefunden werden, glaubt Cathrin, dass es sich um die Überreste ihres Mannes handelt. Außer bei Callum O'Connor (Vincent Walsh), einem ehemaligen Kollegen und Freund Liams, trifft Cathrin mit ihrer Ahnung jedoch auf taube Ohren. Vor allem Superintendent Kelly (Declan Conlon) verhält sich abweisend. Doch Cathrin lässt nicht locker. Sie muss herausfinden, was mit ihrer Liebe Liam passierte – und eben das macht die 90 Krimiminuten für sie ziemlich gefährlich.

Dass die mittlerweile 54 Jahre reife Désirée Nosbusch schauspielerisches Charisma einzubringen versteht, weiß man seit ihrem starken Auftritt als Bankerin in der tollen ZDF-Serie "Bad Banks". Der Siegeszug jenes Programms, von dem bald Staffel zwei erwartet wird, mag den Ausschlag gegeben haben, Nosbusch, die nach vielen Jahren in den USA nun wieder in Luxemburg lebt, mit einer Kommissarinnen-Rolle zu betrauen.

Die raue Landschaft der irischen Westküste fängt der Krimi stimmungsvoll ein. Dankenswerterweise gibt es so gut wie keine irischen Postkartenbilder wie malerische Steilküsten oder weidende Schafe auf grünen Hügeln zu sehen. Auch Nosbusch macht ihre Sache gut, muss allerdings gegen einen eher formelhaften Plot (Drehbuch: Christian Schiller und Marianne Wendt, "Letzte Spur Berlin") und die Tatsache ankämpfen, dass – in Zeiten von Netflix und Co. ziemlich anachronistisch – die ARD-Primetime nach wie vor darauf beharrt, dass Deutsche Iren spielen und im gemischten Ensemble mit echten Iren agieren, deren im englischen Original gedrehte Sätze dann nachträglich auf Deutsch synchronisiert wurden – wodurch sich in den Dialogen bisweilen ein etwas hölzerner Ästhetik-Mix ergibt.

Bereits eine Woche später, am Donnerstag, 31. Oktober, 20.15 Uhr, ermittelt Désirée Nosbusch zum zweiten Mal als Cathrin Blake. In "Mädchenjäger" bekommt sie es mit einem Mord in der Szene der "Traveller" oder "Tinker" zu tun, dem fahrenden Volk Irlands. Regisseur beider Irland-Krimis wie auch des nächsten Falles, der bereits abgedreht wurde, ist Züli Aladag, den man als Kreativen hinter herausragenden, preisgekrönten TV-Produktionen wie "Wut", "Brüder" oder seinen Beitrag zur NSU-Filmtrilogie, "Die Opfer – Vergesst mich nicht", kennt. Sollte es Aladag gelingen, seine – an sich höheren – Ansprüche ein wenig mehr auf die Drehbücher des Irland-Krimis zu übertragen, könnte in Kombination mit einer spannenden Hauptdarstellerin noch etwas Besseres als der Status Quo des Herbsts 2019 an Irlands Westküste entstehen.

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Quelle: teleschau – der Mediendienst