Konzert-Höhepunkte

3sat macht Wacken zum Primetime-Erlebnis

von Kai-Oliver Derks

3sat nimmt das Wacken Open Air ernst und kümmert sich ums Wesentliche – um die Musik. Am Samstagabend zeigt der Sender vier Stunden Live-Musik.

3sat
Wacken 2019
Unterhaltung • 03.08.2019 • 20:15 Uhr

800 handgezählte Zuschauer waren es damals, 1990, als die Erfinder und ersten Organisatoren des Festivals erstmals nach Wacken riefen. Bands wie 5th Avenue aus Hamburg und Sacred Season waren am Start. Es war der ebenso bescheidene wie sympathische Start einer Erfolgsgeschichte, wie es sie in Rock-Deutschland kein zweites Mal gibt. In diesen Tagen feiert Wacken sein 30-jähriges Bestehen. 75.000 Zuschauer werden erwartet, die Party ist seit Jahren immer ausverkauft. Treu dabei ist auch diesmal 3sat, das am Samstagabend live und in Highlights aus dem Norden der Republik berichtet.

Es gibt sie zuhauf, diese immer schwer augenzwinkernden Dokumentationen, die den Culture-Clash in dem eigentlich sehr beschaulichen Ort bei Itzehoe beleuchten. Und auch in den TV-Nachrichten des Tages wird das Festival wieder Thema sein – Jahr für Jahr mit dem gleichen Tenor: Da fallen also schwarz gekleidete, mehrheitlich langhaarige und ganz offensichtlich vollkommen durchgeknallte Musikfans aus aller Welt in ein gar liebreizendes Örtchen mit viel Grün ein. Sie hören schlimme, laute Musik, trinken reichlich Alkohol, und – jetzt kommt's – keiner im Ort stört sich daran.

Eine Wacken-Flagge über der niedrigen Haustür genügt als Bekenntnis, und keiner der 75.000 uriniert aufs Wimbledon-verdächtige Vorgrün. Alle ein großes Team. Klar, dass sich Claus Kleber da doch eher wundert und es im "heute-journal" sicher bei einem 30-sekündigen "Das ist schon sehr skurril da"-Bericht belassen wird.

Vor allem geht es um Musik

Tatsächlich: Die Wackener haben sich mit ihren Gästen nicht nur arrangiert, sondern sie erwiesen sich darüber hinaus gleichermaßen als freundliche Gastgeber wie als findige Geschäftsleute. "Großes Frühstück: 1 Astra, 1 Wodka Red Bull und Kurzer nach Wahl – 5 Euro" – wer würde da klagen? Die Kids fahren mit Kettcars als Transportdienste durch den Ort, die Großmütter lassen sich die Lebensgeschichten ihrer Metal-Gäste erzählen und umgekehrt. Es ist immer friedlich in Wacken.

Die Medien indes reduzieren dieses Festival seit jeher auf seine vermeintliche Merkwürdigkeit, ignorieren den eigentlichen Anlass jedoch stets. Dass es dort vor allem um Musik geht, um laute, heftige Musik, ist in der Regel nicht mehr als einen Nebensatz wert. Aber: Es gibt ja 3sat. Der einzige Sender, der sich traut, aus einem allgemein als Nischenphänomen angesehenen Musikevent ein Primetime-Erlebnis zu machen, das die Bands in den Mittelpunkt stellt.

"Live", wie es angekündigt wird, ist das natürlich nur bedingt. Gezeigt werden die Konzert-Höhepunkte aus den vergangenen Tagen. Sabaton, Slayer, Within Temptation und Anthrax waren zu Gast. Der Samstagabend wird von Powerwolf angeführt. Die Moderatoren Rainer Maria Jilg und Metal-Experte Markus Kavka melden sich jedoch live aus dem 2.000-Seelen-Ort und führen durch den knapp vierstündigen Abend.

Warum sich 3sat hier seit Langem engagiert, erklärte der Sender einmal so: "Wacken ist Kult, ein Großereignis und Gesamtkunstwerk, Synonym für ein generationsübergreifendes Lebensgefühl, weit über die musikalischen Genregrenzen hinaus." Und schon diese wenigen Worte machen deutlich, dass 3sat so viel mehr verstanden hat als manches Medium in diesen Tagen, das nichts anderes tut, als sich königlich über schlammbadende Jugendliche und Omas mit Teufelsgruß zu amüsieren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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